Ärzte Zeitung, 25.06.2015

Kommentar zum Pflege-Streik

Achtung, Trittbrettfahrer!

Von Florian Staeck

Streiks an der Charité und an anderen Kliniken, Protestketten der Gewerkschaft verdi an vielen Orten: Die bundesweiten Aktionen rufen in Erinnerung, bei welcher Berufsgruppe der wachsende ökonomische Druck im stationären Sektor vor allem sein Ventil gefunden hat.

 Der Sparkurs wurde in den vergangenen Jahren zulasten des Pflegepersonals gefahren: Die Zahl der Stellen schrumpfte in 20 Jahren um zehn Prozent, die der Patienten wuchs dagegen stetig.

Nun ist die Zitrone ausgequetscht - und das Pflegepersonal an der Charité streikt nicht für mehr Geld, sondern für einen besseren Personalschlüssel. Das ist ein Alarmsignal für Klinik-Geschäftsführer und Politiker in Bund und Land.

Doch es macht skeptisch, wenn sich das streikende Klinikpersonal kaum vor Sympathiebekundungen der Krankenhausgesellschaften retten kann. Die Klinik-Lobby findet in den Protesten ein willkommenes Trittbrett, um ihren Widerstand gegen das Krankenhaus-Strukturgesetz in die Öffentlichkeit zu tragen.

Kliniken können auf mehr gesellschaftliche Akzeptanz für ihr Nein hoffen, wenn nicht ihr finanzielles Auskommen, sondern die Arbeitsbedingungen in der Pflege im Fokus stehen. Für die Streikenden gilt: Manchmal kann man sich die Freunde nicht aussuchen.

Lesen Sie dazu auch:
Verdi mahnt: Es fehlen 70.000 Pfleger

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »