Ärzte Zeitung online, 08.09.2015

"Skurrile Sachen"

Weigeldt wirft KBV strukturelle Korruption vor

Hausärzte-Chef Weigeldt fährt schwere Geschütze gegen die KBV auf. Sie sei "intrinsisch korruptiv" und es gebe dort so viel aufzuräumen, dass man sich fragen müsse, ob dies überhaupt zu schaffen sei, wettert er.

BERLIN. Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat der Kassenärztlichen Bundesvereinigung strukturelle Korruption vorgeworfen. Dort würden "skurrile Sachen" geschehen, sagte Weigeldt.

Eigentlich sollten die Mitglieder der Vertreterversammlung den Vorstand kontrollieren. Tatsächlich seien aber viele Vertreter ins operative Geschäft eingebunden.

Wie das jüngste vom KBV-Vorstand vorgenommene Revirement von Posten zeige, sei es opportun, sich dem Vorstand gegenüber kulant zu verhalten, um Posten zum Beispiel im Bewertungsausschuss oder in den Ausschüssen des GBA nicht zu verlieren.

"Ich würde sagen, auch wenn es böse ist, - ein bisschen intrinsisch korruptiv ist es da schon", sagte Weigeldt wörtlich am Dienstag vor Journalisten in Berlin.

Systemfehler in der KBV?

In der KBV sei so viel aufzuräumen, dass man sich fragen müsse, ob dies überhaupt noch zu schaffen sei. Es sei zu kurz gesprungen, wenn man die "Skandale" zum Beispiel um den früheren KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Köhler und seiner Frau nur an den Personen festmache.

Das aktuelle Bild der KBV zeige, dass das System derzeit nicht in der Lage sei, die Probleme zu lösen, die auf dem Tisch liegen.

Hintergrund von Weigeldts Äußerungen waren die Strafanzeigen gegen Köhler und den Vorsitzenden der Vertreterversammlung Hans-Jochen Weidhaas, die Vertreter des KVen Westfalen-Lippe und Mecklenburg-Vorpommern gestellt haben. Gegen Weidhaas wurde zudem ein Abwahlantrag gestellt, der am 18. September verhandelt werden soll.

Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Weigeldt sprach sich für die Ausgabe von Gesundheitskarten an Flüchtlinge aus. Die Herausforderungen für Ärzte durch die Zuwanderung ständen erst noch bevor.

Ärzte müssten sich auf Sprachbarrieren und spezielle Krankheitsbilder einstellen. Er gehe davon aus, dass die Ärzte noch nicht ausreichend auf die möglichen Anforderungen vorbereitet seien.

Der Hausärzteverband entwickele eine Strategie, möglichst frühzeitig unter den Flüchtlingen Ärzte und medizinisches Fachpersonal zu identifizieren. Sie könnten eventuell bei der Versorgung helfen. (af)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »