Ärzte Zeitung, 22.09.2015

Terminvergabe

Es geht im Saarland ohne Zwang

Die KV Saarland will zusätzlich zur gesetzlich erzwungenen Terminvergabestelle ihr eigenes Modell fortsetzen. Nach einer Umfrage der KV wird das System auf Basis freiwilliger Meldungen funktionieren - also ohne Zwang auskommen.

Von Andreas Kindel

SAARBRÜCKEN. Die KV Saarland will trotz der neuen staatlich erzwungenen Terminvergabestellen zusätzlich an ihrem Modell der "dringlichen Überweisung" festhalten. Das hat der saarländische KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann jetzt bei einem Pressegespräch in Saarbrücken bekräftigt.

"Wir richten die neue Terminvergabestelle ein, wollen uns die "dringliche Überweisung" aber nicht kaputtmachen lassen", sagte Hauptmann zur Begründung. Man wolle die Nutzung der neuen Terminvergabestelle zu gering wie möglich halten, da sie weder für Ärzte noch für Patienten gut sei.

Seit 2010 dringliche Überweisung

Im Saarland gibt es bereits seit 2010 die "dringliche Überweisung", bei der die Hausärzte ihren Facharzt-Kollegen mit einem einfachen Formular mitteilen, dass sie für einen Patienten einen Termin besonders dringend brauchen. Im vergangenen Jahr hatten die Saarländer ihr Modell auch bundesweit ins Gespräch gebracht, um so zu versuchen, die Terminvergabestellen noch zu verhindern.

Dazu hatte die KV Saarland ihr Verfahren zwei Quartale lang auch wissenschaftlich untersuchen lassen. Das Ergebnis: Bei "dringlichen Überweisungen" dauerte es bis zum Termin im Schnitt nur 6,03 Tage. Doch auch bei "normalen" Überweisungen mussten die Patienten nicht mal zwei Wochen warten.

Auch facharztgruppenbezogen gab es keine Ausreißer. Am längsten mussten die Patienten bei der "normalen" Überweisung beim Augenarzt warten (15,2 Tage), bei der "dringlichen Überweisung" beim Venerologen (8,5 Tage). Trotzdem hatten sich die Saarländer mit ihrem Verfahren bundesweit nicht durchsetzen können.

Mehr Kosten

Jetzt hofft die KV Saar, dass auch künftig vor allem die "dringliche Überweisung" genutzt wird. "Denn je mehr die Terminvergabestelle in Anspruch genommen wird, desto mehr kostet es auch", erläuterte KV-Chef Hauptmann. Er rechnet mit jährlichen Kosten von 200.000 bis 300.000 Euro.

"Wir sind jetzt mitten in den Vorbereitungen für die neue Vergabestelle", berichtete Hauptmann weiter. Als ersten Schritt kümmere man sich um eine Hotline mit hoher Kapazität, außerdem um Software und Personal. Für die Patienten werde ein Handzettel entworfen, der in den Praxen verteilt wird.

In einer Blitz-Umfrage unter den fast 1000 Fachärzten an der Saar hat die KV bereits erkundet, ob die Kollegen freiwillig Termine für die Vergabestelle zur Verfügung stellen. "Die Mehrheit hat geschrieben, dass fünf bis zehn Termine pro Quartal kein Problem seien", so Hauptmann. "Viele haben auch auf ihre offenen Sprechstunden hingewiesen, zu denen ohnehin jeder Patient kommen kann".

Damit ist eine Beteiligungspflicht an der neuen Terminvergabestelle für die Fachärzte an der Saar derzeit kein Thema. "Wir setzen im Moment auf Freiwilligkeit", meinte der KV-Chef. "Keiner soll gezwungen werden, freie Termine an die KV zu melden".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »