Ärzte Zeitung, 28.09.2015

Per Gutschein zum Termin

Nord-KV für Bürokratie-Diät

Die KV Schleswig-Holstein will die ungeliebte Terminservicestelle mit einem Gutschein-Modell umsetzen. Es soll Praxen wenig belasten.

BAD SEGEBERG. Die KV Schleswig-Holstein arbeitet an einem Gutschein-Modell als Lösung für die vom Gesetzgeber geforderte Terminservicestelle. Das Ziel: Die Praxen möglichst wenig belasten, sich aber auch nicht weit vom bisherigen Modell entfernen.

Die KV stellte das Modell auf ihrer jüngsten Vertreterversammlung vor. Die Idee stammt aus dem Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen und findet unter weiteren Verbänden Zustimmung. Auch die Abgeordneten sehen darin einen Weg, die Terminservicestellen umzusetzen.

So soll das Modell funktionieren: Patienten erhalten von ihrem Hausarzt eine Überweisung und suchen sich zunächst wie bislang selbst einen Facharzt-Termin.

Gelingt dies nicht in akzeptabler Zeit, holt sich der Patient einen Überweisungscode beim Hausarzt und wendet sich damit an die Terminservicestelle, die alle Daten von ihm aufnimmt, ihm einen Facharzt in Wohnortnähe und einen Gutscheincode nennt.

Mit diesem Code, der als Etikett auf die Überweisung geklebt wird, wendet sich der Patient an den betreffenden Facharzt, der ihm einen Termin innerhalb der gesetzlichen Vier-Wochenfrist nennt.

Der Facharzt koppelt die Terminvereinbarung über das elektronische KVSH-Portal zurück, sodass dort eine Auswertung aller vermittelten Termine erfolgen kann.

Die Terminservicestelle stellt über einen Verteilungsalgorithmus sicher, dass eine gleichmäßige Beanspruchung der Fachärzte unter Berücksichtigung der regionalen Dichte erfolgt.

Sollte kein Termin in einer Praxis möglich sein, vermittelt die Stelle einen Termin im Krankenhaus. Dazu sind eine Rahmenvereinbarung mit der Krankenhausgesellschaft und feste Ansprechpartner in den Kliniken erforderlich. Das Modell erfüllt mehrere KV-Ziele:

Die meisten Patienten werden ohne Einschaltung der Terminstelle ihren Facharzttermin weiter selbst organisieren, weil sie eine Wunschpraxis bevorzugen. So wird wenig in die bisherige Praxis eingegriffen, der Organisationsaufwand gering gehalten.

Fachärzte müssen eine begrenztere Zahl an Terminen als bei Alternativmodellen an die Servicestelle melden.

Es ist eine saubere Auswertung der vermittelten Termine möglich. KV-Vorstand Dr. Ralph Ennenbach hofft, dass die Auswertung eine "Dokumentation des Unsinns" der von Ärzten unbeliebten Terminservicestellen ermöglicht. Er erwartet, dass Patienten nur drei von fünf Terminen wahrnehmen.

Die KV stellte klar, dass die Terminservicestelle zu vergleichbaren Zeiten wie Arztpraxen erreichbar sein wird und von Patienten nicht als "Medizinservicestelle" genutzt werden kann - sie bleibt auf die reine Terminvermittlung beschränkt. (di)

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