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Ärzte Zeitung, 05.11.2015

Depression

Hausärzte sind wichtige Zuweiser

Bei der Vermittlung von Patienten mit Depressionen sind Hausärzte eine Schaltstelle, in der allerdings oft wichtige Informationen fehlen, wie das Beispiel Hamburg zeigt.

Von Dirk Schnack

Hausärzte sind wichtige Zuweiser

Welches Behandlungsangebot ist passend? Die Vermittlung der Patienten ist für Hausärzte oft schwierig.

© Marco2811/Fotolia.com

HAMBURG. Hausärzte sind bei der Erkennung und Behandlung von Patienten mit Depressionen an einer Schaltstelle. Während es in der Behandlung enorme Fortschritte gegeben hat, bestehen nach Erfahrungen des Klinikexperten Dr. Hans-Peter Unger noch Probleme bei der Vermittlung in weitergehende Behandlungsangebote.

"Der Hausarzt ist für Depressionen erster Ansprechpartner. Hier hat es in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte in der Behandlung gegeben", sagte der Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit des Asklepios Klinikums Harburg in Hamburg.

Positiv sei die Entwicklung bei den Psychotherapien, weil sie heute maßgeschneidert für die vielen unterschiedlichen Formen von Depressionen angeboten werden können.

Als "größte Baustelle" nimmt Unger die Vermittlung in die richtigen Angebote wahr. Hier könnte nach seiner Einschätzung eine verbesserte Information und Aufklärung über die bestehenden Angebote helfen. Ein vergleichsweise junges Angebot sind die über Hamburg verteilten Zentren für seelische Gesundheit, die nach Angaben von Asklepios gut angenommen werden.

Ziel sind kurze, zügige Wege in die Behandlung, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Außer Ärzten sind auch Psychologen, Therapeuten, speziell geschulte Pflegekräfte und Sozialpädagogen eingesetzt.

Stationäre Behandlung vermeiden

Die Zentren wurden gezielt auch in Stadtteilen eingerichtet, die soziale Brennpunkte haben. "Je niedriger der soziale Gradient, desto höher ist das Depressionsrisiko", sagte Unger.

Zum Erfolg der Zentren trage auch die Wohnortnähe und die Vernetzung mit Therapeuten vor Ort bei - es besteht laut Unger eine geringe Hemmschwelle für Patienten und eine gute Kooperation mit anderen Anbietern. Zugleich helfen die Zentren, stationäre Behandlungen zu vermeiden.

Froh ist Unger, dass der "mediale Hype" um Burn-out abnimmt. Er hat eine große Verwirrung um die Begriffe Burn-out und Depression in den vergangenen Jahren festgestellt - bei Menschen aus einem niedrigeren sozialen Status sei eher eine Depression diagnostiziert worden, bei akademischen Berufen eher ein Burn-out.

Fest steht für ihn, dass die Zahl der Depressionen seit Jahren stabil ist - 17 Prozent der Bevölkerung wird einmal im Leben an einer Depression erkranken.

Der wahrgenommene Anstieg resultierte aus der geänderten Einstellung der Bevölkerung zu dieser Erkrankung, die früher stigmatisiert war. "Depressionen sind aus dem Schatten getreten. Erkrankte treffen heute auf mehr Verständnis als noch vor zehn Jahren", sagte Unger.

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