Ärzte Zeitung, 05.11.2015

Pädiatrie

Kinder bei Entfaltung unterstützen

Beim Herbstkongress der Pädiater forderte der Berufsverband BVKJ Zentren und Angebote.

BAD ORB. In Deutschland wachsen bis zu 20 Prozent der Vorschulkinder auf, ohne ihre vorhandenen Kompetenzen entfalten zu können. Auf diese Zusammenhänge hat Dr. Ulrich Fegeler, scheidender Bundespressesprecher im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), beim Herbstkongress der Pädiater in Bad Orb hingewiesen.

Die meisten der betroffenen Kinder stammten aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Familien. Bereits im Kindergartenalter fallen sie mit zum Teil massiven Entwicklungsstörungen im Bereich Sprachentwicklung, kognitive Entwicklung und Verhalten auf.

Meistens werden Heilmittel verordnet

Zumeist würden diese Kinder dann "zur Therapie" an den Pädiater überwiesen. "Einmal im Medizinsystem angelangt, erfolgt rasch eine Pathologisierung der Störung, das heißt, sie wird mit einer Diagnose belegt", so Fegeler. Daran schließe sich dann zumeist die Verordnung eines Heilmittels an.

Diese therapeutischen Möglichkeiten reichten aber nicht aus, weil sie über die punktuelle und kurzzeitige Wirkung hinaus nicht dazu geeignet seien, die eigentlich notwendige permanente pädagogische Anregung anzustoßen. Um dies auf Dauer sicherzustellen, muss nach Ansicht Fegelers die Förderqualität außerfamiliärer Betreuungseinrichtungen ausgeweitet werden.

Dazu sei eine "neue Kultur der Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Hilfesysteme" vor allem aus den Bereichen Bildung und Erziehung, Gesundheitssystem und Jugendhilfe nötig. Zudem forderte Fegeler die Einrichtung von Kinder- und Familienzentren, die niedrigschwellige Angebote sozialer wie gesundheitlicher Unterstützung bereitstellen sollten.

Bei Bedarf könnten in den neuen Zentren Mediziner des Öffentlichen Gesundheitsdienstes oder niedergelassene Kinder- und Jugendärzte hinzugezogen werden. Sie könnten außerhalb ihrer Praxis betroffene Familien besser erreichen und ihre Rolle als Mittler und Zuweiser zu anderen Hilfesystemen ausfüllen. (ras)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »