Ärzte Zeitung, 03.12.2015

Wundversorgung

Interdisziplinäre Zentren gefordert

BERLIN. In Berlin ist jetzt der Ruf nach interdisziplinären Wundzentren und Wundnetzen laut geworden.

"Chronische Wunden gehören in spezialisierte Hände!", lautete das Fazit des ersten "Wunddialogs", den der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) gemeinsam mit Versorgungsnetzwerken, Krankenkassen, Ärztevertretern und den Herstellern von Wundversorgungsprodukten in Berlin abgehalten hat.

Zwar seien gut ausgebildete Experten und vernetzte Strukturen teilweise schon regional vorhanden. Man müsse aber die problematischen Wundpatienten besser in diese Versorgungsstrukturen bekommen, so die Experten.

Ein Hebel dabei seien geänderte Vergütungsstrukturen, um falsche Anreize im System zu beseitigen. (maw)

[04.02.2016, 14:23:44]
Ullrich Katz 
Chronische Wunden zurück in Ärztliche Hand-es wird alles unglaublich teuer und erfolglos!
Ja , es müssen unbedingt Interdisziplinäre Zentren für die Behandlung chronischer Wunden her.
Es muss endlich Schluss sein , mit der Mär von der " Modernen Wundversorgung", von der " Stadien-gerechten Therapie", vom Ödem-Management, wobei man eine völlig vermaschte Wunde angeblich nur 1-2x pro Woche versorgen muss, weil ja diese "Wundauflagen" alles aufsaugen.
Die Kassen haben ja nun langsam Zahlen veröffentlicht.
Bei einer Veranstaltung des Tagesspiegel zusammen mit der DAK in Berlin Ende 2015 wurden von Augustin grausame Zahlen veröffentlicht: 11 Jahre braucht ein Patient mit Ulcus cruris angeblich , bis er einen Behandler findet. Aber dann soll es 55 Monate dauern, bis die Wunde heilt !
Kostet etwa 12 000 Euro pro Jahr! Macht stolze fast 60 000 EURO: Allein die DAK hat 250 000 Patienten mit Ulcus cruris. 250 000 mal 60 000 macht stolze 45 000 000 000 Euro. Wenn auch diese Zahlen äusserst zweifelhaft sind , ist aber gesichert, es ist teuer.
Und was schlimmer ist , es wird Erfolgloser. Weil von den Wundauflagen-Herstellern gesponserte Verbände Wundmanager, Wundschwestern, uvm. in Wochenkursen "ausbilden", mehr als 20 000 auf den Markt werfen, und die wollen alle leben.
Man erzählt den Kassen, man spare ja angeblich Wundverbände , weil ja Hydrokolloid "Ödem-Management" sei und man seltener wickeln muss.
Weder stimmt das -das Gegenteil dürfte eher der Fall sein-noch spart man. Auch werden die Schmerzen nicht besser beim Verbandwechsel.
Oder die Barmer GEK hat ja im September 2014 veröffentlicht: Kunstfehler! Mehr als 60% aller Patienten mit chronischen venösen Ulzera erhalten keine Kompressionsverbände! Ja , das ist ein Kunstfehler.

Es ist schon äusserst ärgerlich , wenn wir in unseren Wundzentren in Bochum und Berlin erleben: trotz angeblich moderner Wundauflagen werden 3-5x/ Woche schlechte Kompressionsverbände angelegt und die Wunden bestehen eben 55 Monate bis 56 Jahre. "Unser Star-Fall in Berlin" ! Und für 90 000 pro 5 Jahre Wundauflagen verkauft.30% soll der Verkäufer bekommen."Money for nothing" !

Wir lassen alle ach so "Modernen Wundauflagen" weg, nehmen ein wenig Iruxol in die Wunde, noch weniger Dermatop auf den Wundrand und nun folgt ein mehrschichtiger Kompressionsverband , besehend aus Mull zum Hautschutz, Autosana_-Schaumstoff-Binden plus textilelastische Kurzzug-Binden.Quasi einen Phlebolymphatischen Kompressionsverband...und Sie könne zugucken, in wenigen Wochen bis Monaten sind die venösen Ulzera abgeheilt.Immerhin 78% -90% aller Fälle .Natürlich werden Varizen operiert und / oder sklerosiert.

Aber 55 Monate beim venösen Ulcus bis zur Heilung? Ein Skandal-die könne es nicht! Über 90 000 Fotos können das belegen.

Bei der BVmed Veranstaltung war auch ich eingeladen. Da konnte doch ein Krankenpfleger zugeben , es komme zu Quersubventionierungen: Das bedeutet ,an der Wundversorgung ist nix zu verdienen, also holt man sich das Geld über den Verkauf der Wundauflagen...da hoffe ich , das der Staatsanwalt dem mal ein Ende setzt.

Dann muss man auch die Wundauflagen loben , man lebt ja davon...

Teurer Unsinn sind sie dennoch , mit fehlender Evidenz!

Deswegen müssen ärztliche Zentren her, damit uns nicht irgend ein " zertifizierter Wundmanager" , übrigens vom TÜV zertifiziert, traktiert , mit der Rezeptforderung im Werte von Tausenden Euro für absolut unnötige Wundauflagen-Produkte. Übrigens mittlerweile mehr als 1000...warum wohl, wenn doch die ersten 10 schon so modern waren?

Aber wenn der TÜV schon bei VW versagt haben soll, was hat der TÜV denn mit Chronischen Wunden zu tun?
Ist die Wundversorgung in Deutschland nicht der nächste " VW-Skandal" ( Versorgung Wunden) ??? Wer kontrolliert endlich die Aussagen der Industrie? Der der bezahlt , sollte das tun.
Ich garantiere Einsparungen in Milliarden-Höhe.
Die schwere Chronische Wunde sollte zurück in Ärztliche Hand. Zentren müssen her, in denen ambulant und stationär behandelt werden kann.Nicht alles geht ambulant.Und vieles geht stationär schneller!
Ich denke da an die Spezialfälle:Pyoderma gangraenosum , Neoplasma, Calziphylaxie, Vaskulitiden. Bei allen besteht noch ein riesiger Forschungsbedarf.
Um das Zentrum etabliert man ambulante Praxen, die auch Hausbesuche machen dürfen. Und man kann Strukturen schaffen mit echten Netzen Leitung liegt im Zentrum!
Und alles kann prima mit Fotos auf Erfolg kontrolliert werden.

Ullrich Katz
Leitender Arzt
Klinik am Ruhrpark Bochum
Wundklinik
Fachklinik für Venenerkrankungen

und

Leitender Arzt
Wundzentrum am CfG
Zentrum für Gesundheit der AOK Nordost
Berlin
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