Ärzte Zeitung, 11.12.2015

Umfrage unter "Ärzte Zeitungs"-Lesern

Zwei Drittel halten nichts von Teil-Kranken

Der Vorstoß der Gesundheitsweisen, eine Teil-AU einzuführen, stößt auf Kritik. Eine Online-Umfrage der "Ärzte Zeitung" zeigt nun: Nur ein kleiner Teil der Leser findet die Idee "sehr gut".

Von Jana Kötter

NEU-ISENBURG. So verlockend die Idee für manch einen Arbeitnehmer sein mag, Leser der "Ärzte Zeitung" geben ihr eine deutliche Abfuhr.

Zwei Drittel der insgesamt 520 Teilnehmer einer aktuellen Online-Umfrage der "Ärzte Zeitung" haben angegeben, "nichts" vom Vorstoß der Gesundheitsweisen, eine Teilarbeitsunfähigkeit und damit auch ein Teilkrankengeld einzuführen, zu halten.

Zum Hintergrund: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hatte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Montag ein Sondergutachten zur Entwicklung und Steuerung des Krankengelds übergeben (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Wer trotz einer Malaise ein paar Stunden am Tag arbeiten kann, solle dies auch tun können, so die Überlegung der Gesundheitsweisen.

520 Teilnehmer

Die Online-Umfrage, die die "Ärzte Zeitung" nach der Veröffentlichung des Berichts gestartet und an der bis Donnerstagmittag (10. Dezember) 520 Leser teilgenommen hatten, zeigt ein deutliches Bild: Lediglich jeder fünfte Befragte (18,5 Prozent) antwortete "Ich finde die Idee sehr gut."

Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) würde dies unterstreichen: In einer Mitteilung betont er die positiven Aspekte für die Reintegration in das Erwerbsleben - insbesondere bei chronischen oder psychischen Erkrankungen.

Unabdingbar sei jedoch die "genaue Kenntnis der spezifischen Arbeitsplatzsituation", um individuelle Gegebenheiten zu berücksichtigen.

"Die Formulare für die Arbeitsunfähigkeit sind gemeinsam durch Betriebsarzt und behandelnden Arzt abzustimmen", meint VDBW-Vizepräsidentin Dr. Anette Wahl-Wachendorf.

Sorgen der Leser

Die Integration in den Praxisalltag ist es auch, die vielen Lesern der "Ärzte Zeitung" Sorgen bereitet.

So erachten 16 Prozent der Umfrageteilnehmer eine Reform der Krankschreibung für nötig, sehen jedoch Probleme in der Umsetzung.

Dr. Robert Künzel aus Hof an der Saale etwa spricht in einem Leserkommentar die Rechtssicherheit an: Schon heute sei es für einen praktizierenden Arzt "gar nicht möglich, etwa in einem BU/EU-Gutachten rechtssicher genaue prozentuale Abstufungen des verbliebenen Leistungsvermögens vorzunehmen", so Künzel.

Mehr Leser-Reaktionen sowie die Möglichkeit, selber zu kommentieren, unter: www.aerztezeitung.de/901093

[11.12.2015, 15:19:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
@ Dr. Renate Sill-Steffens,
mein LinkedIn-Eintrag sagt mir, dass Sie, Frau Dr. Renate Sill-Steffens, als "Senior Manager Product Design & Research PN bei Fresenius Kabi Dtl. GmbH" tätig sind. Ich gehe davon aus, dass es in Ihrem Haus eine "Gleitzeit"-Regelung (GZ) gibt, nach der während der Arbeitszeit akut erkrankte Mitarbeiter/-innen vorzeitig nach Hause gehen dürfen und ihre bis dahin geleistete Arbeitszeit auf ihrem GZ-Konto gutgeschrieben wird. Somit besteht gar keine Notwendigkeit für eine nachträglich ganztägige, ärztliche Krankschreibung, und "die gearbeiteten Stunden gehen in der Berechnung [nicht] verloren".

Bloß darum geht es dem "Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen" gar nicht: Er konfabuliert, ich als Hausarzt wüsste schon mit meinem Patienten, bei dem ich heute, am 11.12.2015, eine ambulant erworbene Pneumonie ("community aquired pneumonia"-CAP) diagnostiziert und behandelt habe, auszudiskutieren, dass er ab 17.12.2015 wieder zu 25% arbeitsfähig bzw. Dank meiner seherischen Gaben ab 21.12.2015 wieder zu 50% einsatzfähig sein wird.

Dumm nur, dass mein Patient kein Universitäts-Dozent, kein Lehrer oder Bibliothekar ist, sondern Dachdecker! Und ich erst recht kein Prophet, sondern nur einfacher Kaffeesatz-Leser der ÄrzteZeitung.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[11.12.2015, 11:22:05]
Dr. Renate Sill-Steffens 
Teilkrankschreibung
Ich finde, es sollte eingeschränkt möglich sein!
Denn es gibt Tage, da geht man zur Arbeit, erledigt diese auch gut und bekommt dann Migräne oder Schüttelfrost oder Ähnliches.
Wenn man dann nach Hause geht, wird man für den gesamten Tag (also rückwirkend!) krankgeschrieben. Die gearbeiteten Stunden gehen in der Berechnung verloren. Das finde ich nicht sinnvoll. zum Beitrag »
[11.12.2015, 11:07:35]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Provokation beim Barte des Propheten !
Was sollen wir Hausärzte denn noch alles machen? Neben Anamnese, Untersuchung, Differenzial-Diagnostik, Behandlungs-Planung, Koordination, DMP, HzV, ganzheitliche Versorgung, Palliation, Organisation, Stufendiagnostik und -therapie mit Facharzt-Terminierung jetzt auch noch prophetische Gaben entwickeln, um eine 25- bis 100-prozentige Abstufung einer Arbeitsunfähigkeit vorausschauend in die Zukunft zu entwickeln, zu gestalten, zu terminieren und interaktiv zu diskutieren?

Wir sind doch schon froh, wenn wir unsere Patientinnen und Patienten mit Lohnfortzahlungs- und Krankengeldansprüchen, selbstverständlich bei 3. und 4. Intensivberatung honorarfrei, zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit "gesundbeten" und bewegen können! Denn Fachärzte hüllen sich in dieser Frage meist in vornehmes Schweigen. Wir haben längst die umständlich-ungeliebten Möglichkeiten der stufenweisen Wiedereingliederung in das Arbeitsleben nach dem "Hamburger Modell" bei Gesetzlicher Kranken- und Deutscher Renten-Versicherung (GKV/DRV) mit GKV-Vordruck Muster 20a und DRV-Vordruck Formularnummer G0830.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Warum sollen dann Patienten nachts im Schlaflabor stationär nicht tagsüber einfach arbeiten gehen? Warum sollen psychiatrische Patienten in der Tagesklinik nicht Nachtschichten fahren? Warum sollen stationäre Patienten sich nach Tabletteneinnahme oder durchgelaufener Infusion nicht in der Krankenhausküche sinnvoll betätigen können? Und Patienten mit Ergotherapie in Akut- oder REHA-Kliniken bzw. unter ambulanter Behandlung dieselbe nicht zu 50 Prozent gleich bei ihrem Arbeitgeber gewinnbringend ausführen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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