Ärzte Zeitung, 04.03.2016

Terminservicestellen zeigen

Zu wenig Fachärzte im Norden

Patienten in Schleswig-Holstein nutzen die Terminservicestelle (TSS) bislang nur verhalten. Die bisherigen Anrufe zeigen aber, in welchen Fachgruppen der größte Bedarf besteht.

BAD SEGEBERG. In den ersten drei Wochen nach dem Start der Terminservicestelle (TSS) gab es in Schleswig-Holstein täglich rund 50 Anrufe, von denen die Hälfte aber nur schauen wollte, ob die TSS auch funktioniert. Außerdem rufen viele Menschen bei der TSS an, die keine Überweisung hatten.

Deshalb konnte nur an rund 50 Prozent der in der TSS angenommenen Anrufer auch tatsächlich ein Facharzttermin vermittelt werden. Die KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke sprach angesichts dieser Erfahrungen mit der TSS in der jüngsten Abgeordnetenversammlung von "viel Lärm und wenig dahinter".

Wie erwartet führen die Nervenärzte und Neurologen bei der Gruppe der am stärksten gefragten Fachgruppen. Für sie gab es in den ersten drei Wochen insgesamt 76 Anfragen, gefolgt von den Kardiologen (34), den Rheumatologen (25), Pneumologen (22) und Radiologen (21).

 Überraschend war für die KV die geringe Nachfrage nach orthopädischen Terminen (7). "Schon jetzt zeigen sich die Knackpunkte in der Versorgung. Wir haben zu wenig Ärzte dieser Fachrichtungen", sagte Schliffke zu der ersten Auswertung. Sie erkennt darin den möglicherweise einzigen Vorteil der TSS: "Dass wir dies der Politik und den Kassen mit Zahlen belegen können und sich deren ständige Argumentation, es seien genug Ärzte, man müsse sie nur anders verteilen, definitiv widerlegen lässt."

Nach wie vor schätzt die KV im Norden es aber als unangemessen ein, dass ihr die TSS als "kostenintensive neue Organisationsstruktur" auferlegt wurde. Immerhin bestätige diese aber, dass die klassischen Überweisungswege die richtigen seien. Schliffke sagte dazu: "Die Patienten behalten die freie Arztwahl, sie nehmen Empfehlungen ihrer Ärzte an und diese wiederum sind froh über eine regional funktionierende Zusammenarbeit."

Von der Politik erwartet Schliffke allerdings nicht, dass sie dies anerkennt - im Gegenteil: "Eher ist wohl damit zu rechnen, dass sie sich die TSS als Wohltat im nächsten Wahlkampf auf die eigenen Fahnen schreiben wird." (di)

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