Ärzte Zeitung, 03.03.2016

Honorare

100 Millionen Euro mehr für Südwest-KV

Baden-Württembergs KV-Vorstand präsentiert die Honorarergebnisse für 2016 und sorgt sich um die Zukunft der KV-Mitglieder in der digitalen Gesellschaft.

Von Florian Staeck

100 Millionen Euro mehr für Südwest-KV

Die Gesamtvergütung für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten der KV Südwest steigt um 100 Millionen Euro.

© hjschneider / fotolia.com

STUTTGART. Die Gesamtvergütung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Baden-Württemberg steigt im laufenden Jahr um rund 100 Millionen Euro. Der Zuwachs der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) beläuft sich auf 3,6 Prozent, erläuterte KV-Chef Dr. Norbert Metke bei der Vertreterversammlung am Mittwoch in Stuttgart. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug die Steigerung bei der MGV 3,5 Prozent oder knapp 94 Millionen Euro.

Metke spricht in einem Schreiben an die KV-Mitglieder von einem "satten Plus". Der Zuwachs setzt sich zusammen aus dem bundesweit vorgegebenen Orientierungswert (plus 1,6 Prozent) und der Veränderungsrate, welche die Entwicklung von Demografie und Morbidität im Südwesten abbildet (knapp 1,08 Prozent). Mit einem Plus von weiteren 0,2973 Prozent wird besonderen regionalen Rahmenbedingungen Rechnung getragen.

Erhalten werden konnten in den Verhandlungen mit den Kassen Mittel in Höhe von 1,9 Millionen Euro, die für die bessere Vergütung psychiatrischer Gesprächsleistungen zur Verfügung gestellt werden. Mit zwölf Millionen Euro - nach KV-Angaben 20 Prozent mehr als bisher - beteiligen sich die Kassen an den Kosten des Notdienstes. Als Erfolg stellte die KV-Führung heraus, dass sämtliche extrabudgetären Leistungen und Zuschläge hätten erhalten werden können, dazu gehören DMP, Onkologievereinbarungen, Sozialpsychiatrie, Prävention, ambulantes Operieren und alle operativen Begleitleistungen.

22 Prozent Plus seit dem Jahr 2011

Zum ersten Mal konnten die Zuwächse bei den Fachärzten symmetrisch auf alle Fachgruppen verteilt werden, weil die Honorarverwerfungen, die auf die Jahre 2008/2009 zurückgehen, "weitgehend beseitigt" werden konnten, so KV-Chef Metke. Er rechnete vor, dass der Vorstand in den Jahren 2011 bis 2014 für Hausärzte ein Plus von 14, für Fachärzte von 15 Prozent erreichen konnte. Rechne man die vorliegenden Daten für 2015 sowie die Zahlen des neuen Honorarabschlusses als Hochrechnung hinzu, so sei die Vergütung seit 2011 um 22 Prozent gestiegen, sagte Metke.

Mit Blick auf die Zeit nach den KV-Wahlen im Sommer treibt Metke und KV-Vize Dr. Johannes Fechner die Frage um, wie sich niedergelassene Ärzte in einer zunehmend "digitalisierten Gesellschaft" behaupten. Es gelte, "Chancen zu nutzen, statt undifferenzierte Abwehr" von E-Health zu pflegen, forderte Metke. "Die Digitalisierung" ist da, sagte er mit Blick auf die wachsende Zahl von Anbietern im Internet. Auch künftig müssten Ärzte und Psychotherapeuten die zentralen Versorger bei medizinischen Problemen bleiben, forderte er.

Mit sehr großer Mehrheit stimmten die Delegierten dem Vorschlag des Vorstands zu, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten. Diese soll darlegen, wie die zentrale Rolle der KV-Mitglieder für eine koordinierte Patientenversorgung auch "unter den Bedingungen einer digitalen Gesellschaft" gewährleistet werden kann. Dabei soll überlegt werden, ob die KV selber ein "umfassendes Informationsportal" etablieren soll, das insbesondere jüngere Patienten ansprechen könne.

Die KV-eigenen Aktivitäten beschränken sich bislang auf das Patiententelefon MedCall. Dort können Anrufer nach dem nächstgelegenen Haus- oder Facharzt fragen oder erhalten Informationen über Therapeuten mit speziellen Fremdsprachenkenntnissen. Doch sollte MedCall tatsächlich weiterentwickelt werden zu einem Portal, das Information und koordinierte Patientenbegleitung bietet, dann, so Fechner, müssten viele "Felsbrocken" aus dem Weg geräumt werden: Wer diese Struktur zahlt und inwiefern das Fernbehandlungsverbot berührt würde, wären nur zwei der unbeantworteten Fragen.

Viel Stoff für die Machbarkeitsstudie, deren Erarbeitung zusätzlich "nix kosten" soll, wie Fechner auf kritische Nachfragen von Delegierten beteuerte. Denn die KV will auf hauseigene Kräfte setzen. Auf Drängen von Delegierten soll eine Arbeitsgruppe "E-Health", die aus VV-Mitgliedern besteht, diesen Prozess begleiten. Spätestens im Frühsommer sollen Ergebnisse vorliegen. KV-Vize Fechner hatte zuvor den Delegierten am Beispiel des Telemedizin-Dienstleisters MedGate in der Schweiz vor Augen geführt, wohin die Reise gehen könnte. Das Unternehmen arbeitet dort mit Krankenversicherern zusammen, beschäftigt nacheigenen Angaben 100 Ärzte und hat mittlerweile zwei eigene Ärztezentren in Zürich und in Solothurn gegründet. Kann oder soll die Südwest-KV Strukturen wie in der Schweiz adaptieren? "Es ist schon fast zu spät, um auf diesen Zug aufzuspringen", meinte Fechner.

[04.03.2016, 11:44:54]
Dr. Wolfgang Bensch 
Na, wenn das mal keine Empfehlung für die KV-Wahlen ist ...
und der "alte" KV-Chef im Rentenalter erneut für eine weitere Amtszeit antritt ... zum Beitrag »

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