Ärzte Zeitung, 14.04.2016

Ambulant vor stationär

Anreiz ist falsch gesetzt

Eine gute ambulante Versorgung hilft, Krankenhausfälle zu vermeiden. Doch die Öffnung der Kliniken läuft diesem Ziel zuwider, warnen Versorgungsforscher.

Von Jürgen Stoschek

Anreiz ist falsch gesetzt

Läuft die Vergütungsentwicklung in die richtige Richtung, um die Ambulantisierung zu fördern?

© fotomek/Fotolia.com

MÜNCHEN. Die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen im ambulanten Bereich wird aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren erheblich steigen.

Wenn es angesichts dieser Entwicklung gelingt, durch eine gute ambulante Versorgung die Zahl der sogenannten ambulant-sensitiven Krankenhausfälle zu verringern, ließe sich der zu erwartende Ausgabenanstieg etwas begrenzen, so der Gesundheitsökonom Thomas Czihal vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), bei der 3. Versorgungskonferenz der KV Bayerns (KVB) in München.

Schon bisher werden in Bayern dank der höheren Arztdichte mehr Leistungen ambulant erbracht, die in anderen Bundesländern im Krankenhaus stattfinden, erläuterte Czihal.

Die dadurch vermiedenen Kosten werden vom IGES-Institut auf etwa 15 Euro pro Versicherten beziffert. Durch zusätzliche Förderung einer Ambulantisierung könnten etwa weitere elf Euro an Ausgaben eingespart werden. Voraussetzung dafür ist, dass vor allem die Hausärzte mehr Zeit für ihre Patienten bekommen, um etwa die Adhärenz zu fördern, erklärte der Gesundheitswissenschaftler.

Ziel müsse daher nicht der Abbau von Kapazitäten im ambulanten Bereich, sondern vielmehr die Gewinnung neuer Ärzte für die Niederlassung sein, meinte Czihal.

Angesichts der Entwicklungen der Vergütungen im ambulanten und stationären Bereich stelle sich allerdings die Frage, ob in den vergangenen Jahren die richtigen ökonomischen Anreize gesetzt wurden, um die Ambulantisierung der Medizin zu fördern: Von 2009 bis 2013 stiegen die Preise im DRG-System um 13 Prozent, im EBM jedoch nur um fünf Prozent, berichtete Czihal.

Dass nun die Krankenhäuser immer stärker in die ambulante Versorgung drängen sei eine fatale Entwicklung, meinte Czihal.

Die Vorstellung, dass die Öffnung der Krankenhäuser im Sinne von "ambulant durch stationär" zu einer Verbesserung führen könnte, werde nicht funktionieren, "da sich Krankenhäuser immer das ökonomisch attraktivere System aussuchen werden", warnte der Gesundheitsökonom. Viel wichtiger wäre deshalb eine generelle und umfassende Förderung der vertragsärztlichen Versorgung.

[14.04.2016, 09:24:02]
Dr. Fritz Gorzny 
Überflüssige 3Monatskontrollen
Die Überfüllung der Arztpraxen resultiert nach meinen Erfahrungen auf den völlig überflüssigen quartalsmässigen Routinekontrollen bei chronischen Erkrankungen z.B. Cataract oder Fehlsichtigkeit etc. Hier sind Veränderungen erst über Jahre zu erwarten und der mündige Patient kann selber entscheiden , wann eine erneute Behandlung notwendig ist.Ich war lange Prüfarzt und habe diese Art der "Scheinvermehrung" regelmässig beobachten können.
Würden solche überflüssigen Kontrollen entfallen, gäbe es kein Problem einer Unterversorgung. zum Beitrag »

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