Ärzte Zeitung, 22.06.2016

KV-Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern

Nur bei geschlossener Tür kracht es

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Vertreterversammlung in der Ära nach KV-Chef Eckert zusammengerauft. Konflikte gibt es, aber die werden nicht öffentlich ausgetragen.

Von Dirk Schnack

SCHWERIN. In Mecklenburg-Vorpommern läuft die erste KV-Wahl in der Ära nach Dr. Wolfgang Eckert an.

Die Ärzte entscheiden seit Montag über die Zusammensetzung einer Vertreterversammlung, die um einen Sitz erweitert wird. Die bislang 24 Sitze verteilten sich in der abgelaufenen Amtsperiode auf zwölf Fachärzte, elf Hausärzte und einen Psychotherapeuten.

Wegen der gestiegenen Zahl an Psychotherapeuten wird diese Gruppe künftig mit zwei Sitzen vertreten sein.

Viele Entscheidungen trafen die Vertreter in den vergangenen Jahren mit großen Mehrheiten, innerärztlicher Streit drang nicht nach außen. Das war in Mecklenburg-Vorpommern nicht immer so. Eckert selbst wurde nach einem heftigen innerärztlichen Zwist, der damals quer durch die Vertreterversammlung ging, Vorsitzender.

In den 17 Jahren seiner Amtszeit bis 2014 lehrte er die KV erst Konfliktfähigkeit, später die einheitliche Linie. Die ist bis heute zu spüren, bis in den hauptamtlichen Vorstand und in den ehrenamtlichen Vorsitz der Vertreterversammlung.

Ein Beispiel: Im Interview mit dem KV-eigenen Journal weichen Diplom-Mediziner Torsten Lange, ein Rostocker Hausarzt, und sein Stellvertreter Dr. Karsten Bunge, ein Kardiologe aus Schwerin, inhaltlich nur in wenigen Bereichen voneinander ab.

Die Zusammenarbeit in der Vertreterversammlung wird von beiden dennoch nicht als einfach geschildert. Lange spricht von "konfliktiver" Zusammenarbeit, die er mit dem Satz "Wir haben uns oft gefetzt, nie geschlagen" beschreibt.

Bunge spricht von "kollegialer" Zusammenarbeit der verschiedenen Versorgungsbereiche, und sagt: "Sie ist aber aus meiner Sicht auf jeden Fall verbesserungswürdig." Er wünscht sich "etwas mehr Rücksicht" und Kompromisse.

Gemeinsame Lösungen im Blick

Beide Statements zeigen, dass Haus- und Fachärzte im Nordosten gewillt sind, trotz nicht immer gleicher Interessen nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Das gilt auch für die Zusammenarbeit im dreiköpfigen Vorstand, der seit 2014 vom Verwaltungsfachmann Axel Rambow geführt wird. Von seinen Stellvertretern Hausarzt Dr. Dieter Kreye und Facharzt Dr. Fridjof Matuszewski sind konträre Auffassungen zumindest nicht öffentlich ausgetragen worden.

Eines der drängendsten Probleme im Nordosten ist nach wie vor die flächendeckende Versorgung. Außerhalb der Städte schildern Ärzte die Versorgungssituation oft als angespannt.

Patientenzahlen von über 1000 pro Quartal in der Allgemeinmedizin sorgen für ein hohes Arbeitspensum, das nicht als Anreiz für junge Ärzte gilt, diese Praxen zu übernehmen. Die in vielen Regionen ausgedünnte Infrastruktur gilt als weiteres Hindernis.

Die Folgen sind in Zahlen ablesbar. Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 79 Hausärzte unter 40 Jahren, im Jahr 2000 waren dies noch 115. Die KV hat darauf schon unter Eckerts Ägide reagiert und ein Programm mit Zuschüssen für niederlassungswillige Ärzte aufgelegt.

Seit 2008 haben über 100 Hausärzte eine entsprechende Förderung der Zulassung erhalten. Die Zahl der geförderten Weiterbildungsstellen stieg seit 2000 von damals 44 auf 132. Trotz solcher Erfolge hat manche Region im Nordosten unter niederlassungswilligen Ärzten ein Imageproblem.

Das zeigte sich etwa in der Landarztkampagne von Springer Medizin und AOK-Bundesverband für den kleinen Ort Woldegk, wo viele Versuche, Nachfolger für ausscheidende Praxisinhaber zu finden, scheiterten. Erst ein von der Kommune forciertes Gesundheitszentrum, das Teamarbeit unter einem Dach ermöglicht, entspannte die Situation.

Nachwuchs fördern

Zumindest im hausärztlichen Bereich hat die KV in der Vergangenheit einiges unternommen, um den Nachwuchs zu fördern. Institute für Allgemeinmedizin an den beiden medizinischen Fakultäten in Rostock und Greifswald wären ohne die KV kaum denkbar gewesen.

Eine weitere Maßnahme ist das kürzlich unter Mithilfe der KV gegründete Kompetenzzentrum für Allgemeinmedizin, das die Attraktivität des Faches in der Weiterbildung erhöhen soll.

Die dünn besiedelten Regionen stellen die KV auch im Notfalldienst vor Probleme. Nach einer Bedarfsprüfung hat die KV Bereitschaftsdienstpraxen an acht Standorten im Land eingerichtet, zwei weitere sollen noch folgen. In aller Regel sind die Praxen an Kliniken angesiedelt.

Nur wenn keine Einigung mit den Klinikträgern erzielt werden konnte, setzt man auf externe Standorte.

Insgesamt spricht die KV von einer deutlich sachlicheren und konstruktiveren Zusammenarbeit im einst angespannten Verhältnis zur Krankenhausgesellschaft, aber auch zum Schweriner Sozialministerium.

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