Ärzte Zeitung, 19.06.2017

Rheinland-Pfalz

KV-Chef will Bedarfsplanung abschaffen

Mehr Konkurrenz zwischen den Praxen und sogar innerhalb des Kollegiums fordert Dr. Peter Heinz, Vorstandsvorsitzender der KV-Rheinland-Pfalz. "Mehr Markt!", lautet seine Devise, um die Versorgung zu sichern. Und die Bedarfsplanung würde Heinz am liebsten komplett abschaffen.

Von Anne Zegelman und Marco Mrusek

KV-Chef will Bedarfsplanung abschaffen

Ein Herz für mehr Markt in der Medizin zeigte der rheinland-pfälzische KV-Chef Dr. Peter Heinz bei der Vertreterversammlung in Mainz.

© pagadesign / stock-photo

MAINZ. Eine flammende Rede gegen die Bedarfsplanung hat der rheinland-pfälzische KV-Chef Dr. Peter Heinz bei der Vertreterversammlung in Mainz gehalten. "Ich würde mir wünschen, wir hätten da mehr Mut und würden mehr Markt wagen!", so Heinz, der keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Bedarfsplanung macht und sie am liebsten komplett abschaffen würde.

Der Allgemeinarzt gilt als Befürworter eines stärkeren Wettbewerbs im ärztlichen Sektor und fordert immer wieder auch eine Selbstbeteiligung der Patienten an ärztlichen Leistungen. Von der Weiterentwicklung der Bedarfsplanung – Punkt 3 im Acht-Punkte-Reformplan der KBV für eine moderne Versorgung, den Heinz den Mitgliedern bei der Sitzung am Mittwoch vorstellte — hält er hingegen gar nichts; das wurde einmal mehr deutlich.

"Das ist eine Illusion!"

"Es ist eine Illusion, wenn wir glauben, wir könnten mit der Bedarfsplanung Ärzte an einen bestimmten Ort bekommen", sagte Heinz. Der Schlüssel ist in seinen Augen dagegen mehr Konkurrenz: "Die Bedarfsplanung haben die Ärzte sich so ausgedacht, das ist eine gemütliche Sache – aber für die Patienten wäre ein Markt wünschenswert. Dann würden wir auch innerhalb der Praxen in Wettbewerb miteinander stehen."

Der Strukturwandel in der Versorgung stand im Mittelpunkt der Diskussion. "Die Versorgung wird sich weiter ambulantisieren – und wir als KV werden uns aktiv daran beteiligen", sagte Heinz. Die bedarfsgerechte Anpassung der ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen ist auch im Acht-Punkte-Reformplan der KBV ganz oben zu finden. Das Belegarztwesen werde weiterentwickelt und Hausärzte und Psychotherapeuten einbezogen, auch Praxiskliniken seien Teil der Planung. "Wir als ambulante Medizin können auch stationär!", so Heinz kämpferisch. Worte, von denen sicher nicht jeder begeistert war. Sei's drum: "Es hat bereits Treffen mit Krankenhäusern gegeben, bei denen über einen ,gemeinsamen Tresen‘ gesprochen wurde."

Patientensteuerung ist dabei auch in Rheinland-Pfalz wesentlich. Vor allem müsse man die Menschen an die Hand nehmen und besser begleiten, als es derzeit üblich ist, unterstrich der KV-Chef. Als "Negativbeispiel" präsentierte Heinz ein Foto aus einer Kliniknotaufnahme. Zu sehen: Ein Schild mit zwei Pfeilen, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Rechts geht es zur Bereitschaftsdienstzentrale, links zur interdisziplinären Notaufnahme. Der Patient soll wählen, kenne den Unterschied zwischen beiden in der Regel aber erst einmal nicht – und würde sich im Zweifel dafür entscheiden, nach links zu gehen. "Denn ,interdisziplinär‘ klingt erstmal gut, da kennt man sich mit allem aus", so Heinz.

Um den Patienten besser zu führen, beteiligt sich die KV am Projekt DEMAND zu Einschätzungsverfahren, geplanter Start ist Januar 2018. Dabei soll ein Verfahren entwickelt werden, das gegebenenfalls die Manchester-Triage ersetzen kann, zum Beispiel durch eine telefonische Ersteinschätzung in der Arztrufzentrale.

Kooperationen sind denkbar

Auch der ärztliche Bereitschaftsdienst, der in Rheinland-Pfalz seit Jahren ausgebaut und umgestrickt wird, soll noch weiterentwickelt werden. Bisher arbeitet die KV auf diesem Gebiet nicht mit anderen Organisationen wie dem DRK zusammen – dieser Umstand könnte sich allerdings bald ändern. Man werde "beginnen, darüber nachzudenken", inwiefern Kooperationen sinnvoll sein könnten, sagte Heinz.

Außerdem soll die Vergütungsstruktur im Bereitschaftswesen angepasst werden, denn gerade an den stark frequentierten Tagen wie Samstagen, Sonntagen, Brücken- und Feiertagen müssten die diensttuenden Ärzte Zuschläge erhalten, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Bartels, in dessen Ressort der Bereitschaftsdienst fällt.

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