Ärzte Zeitung, 30.04.2008

Patienten aus Osteuropa überfordern die Briten

Etwa 700 000 Zuwanderer müssen versorgt werden

LONDON (ast). In Großbritanniens staatlichem Gesundheitsdienst herrscht eine neue Versorgungskrise. Britische Hausarztpraxen und Krankenhäuser des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) haben offenbar Probleme, Zuwanderer aus Polen und anderen neuen EULändern medizinisch zu versorgen.

Der Grund für die Krise ist nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums die hohe Zahl der seit 2004 nach Großbritannien zugewanderten EU-Bürger.

Hintergrund für die Versorgungskrise in der staatlichen Primärmedizin: das Londoner Gesundheitsministerium hatte die Zahl der neu nach Großbritannien kommenden Arbeitskräfte ursprünglich auf 150 000 geschätzt. Tatsächlich kamen allerdings bis heute mehr als 700 000 Zuwanderer, um in Großbritannien zu leben und zu arbeiten.

Die Folge der unerwarteten Einwanderungswelle ist, dass die NHS-Primärarztpraxen und Krankenhäuser nicht genug Geld zugewiesen bekommen, um die neuen Patienten zu behandeln. EU-Patienten haben im Königreich das Recht, kostenlos auf Staatskosten therapiert zu werden.

"Wir sind überfordert. Unser Budget reicht nicht aus, um alle Patienten ausreichend zu versorgen", sagte ein NHS-Allgemeinarzt aus dem südenglischen Slough. Zwei Drittel der seit 2004 nach Großbritannien eingewanderten Arbeitskräfte kommen aus Polen, so das Londoner Gesundheitsministerium.

Der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) bezeichnete die Versorgungslage in den Einwanderungs-Hochburgen wie Slough als "kritisch". Viele Hausarztpraxen seien nicht länger in der Lage, neue Patienten aufzunehmen. Diesen Patienten bleibe dann nichts anderes übrig als im Krankheitsfall in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses zu gehen. Auch dort gebe es inzwischen "große Versorgungsengpässe".

Gesundheitsminister Alan Johnson wurde aufgefordert, die Budgets zu überprüfen. Hausarztpraxen und Kliniken in Landesteilen mit überdurchschnittlich hohen Einwanderungszahlen sollten zusätzliche Mittel aus dem Gesundheitsetat zugewiesen bekommen, so die BMA.

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