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Ärzte Zeitung, 23.05.2008

KOMMENTAR

Nicht über die Köpfe der Ärzte hinweg!

Von Arndt Striegler

Die Fristen für einen Schwangerschaftsabbruch in Großbritannien werden nicht verkürzt. Damit bleibt Großbritannien eines der liberalsten Länder für Schwangerschaftsabbrüche innerhalb der Europäischen Union.

Freilich: während die Politiker das Thema Schwangerschaftsabbrüche nach einer relativ kurzen Debatte im Londoner Unterhaus jetzt wieder ad acta legen, müssen sich britische Ärzte nun mit den Konsequenzen der Abstimmung befassen.

Im vergangenen Jahr ließen mehr als 194 000 Frauen in England und Wales ihre Schwangerschaft abbrechen. Über 1,5 Prozent dieser Abbrüche wurden zwischen der 20. und 24. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Es sind vorrangig diese sehr späten Schwangerschaftsabbrüche, die viele Ärzte im Königreich in wahre Gewissenskonflikte stürzen.

Nach Angaben des Ärztebundes (British Medical Association, BMA) lehnen viele Mediziner derart späte Eingriffe schon heute aus Gewissensgründen ab. Das wird auch zukünftig ihr Recht bleiben. Kein Arzt im Königreich kann gezwungen werden, gegen sein Gewissen eine Interruptio vorzunehmen.

Gut, dass das so bleibt. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn bei zukünftigen Debatten über derart brisante Themen die Meinung der Ärzte stärker berücksichtigt wird als dies bei der aktuellen Debatte der Fall war. Immerhin sind es die Ärzte, die mit den Konsequenzen der Politiker-Entscheidungen leben müssen.

Lesen Sie dazu auch:
Briten halten an Abtreibungsrecht fest

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