Ärzte Zeitung online, 29.07.2008

Armut erhöht Sterblichkeit krebskranker Kinder

LONDON (dpa). In ärmeren Ländern haben Kinder mit Krebs oft nur schlechte Überlebenschancen. Sie werden gar nicht oder unzureichend medizinisch versorgt, Medikamente und andere Therapien bleiben ihnen verwehrt.

Dies sei besonders tragisch, da gerade bei Kindern Krebs meist heilbar sei und in den betroffenen Ländern oft geringe Anstrengungen ausreichten, um die Situation deutlich zu verbessern, so ein internationales Forscherteam im britischen Fachjournal "The Lancet Oncology" (9, 2008, 721).

Die Überlebenschance von krebskranken Kindern steht demnach in direktem Zusammenhang zu den Pro-Kopf- Ausgaben des Landes für das Gesundheitswesen sowie zum Bruttoinlandsprodukt und dem Bruttonationaleinkommen.

Auch die Zahl der Ärzte und Krankenschwestern pro 1000 Einwohner bestimmten die Überlebenswahrscheinlichkeit krebskranker Kinder mit, berichten die Wissenschaftler um Raul Ribeiro vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis (US-Staat Tennessee). Besonders schlimm sei die Lage in Bangladesch, Senegal, Tansania, Vietnam und auf den Philippinen, wo nur fünf bis zehn Prozent der Kinder fünf Jahre nach der Diagnose einer Krebserkrankung noch lebten.

Zum Vergleich: In Deutschland und anderen westlichen Ländern beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach Daten des Kinderkrebsregisters etwa 75 Prozent. In der Ukraine und Venezuela überlebten immerhin rund 50 bis 60 Prozent der kleinen Patienten die Krebserkrankung. Ägypten, Honduras und Marokko bewegten sich mit einer Rate von 30 bis 40 Prozent im Mittelfeld.

Die Wissenschaftler hatten in den zehn Ländern Interviews mit Ärzten und anderen Mitarbeiten des Gesundheitswesens zur Qualität der Versorgung von Kinderkrebspatienten geführt. Sie fragten unter anderem, wie viele krebskranke Kinder in der jeweiligen Klinik versorgt werden, wie viele Ärzte und Krankenschwester sich um die Patienten kümmern, welche Medikamente die Patienten bekommen und welche diagnostischen und therapeutischen Verfahren vorhanden sind. Aus diesen Angaben und der Zahl der insgesamt pro Jahr in dem Land erkrankten Kinder prognostizierten sie dann die ungefähre Überlebenswahrscheinlichkeit.

Um die Versorgung zu verbessern, zahlten sich vor allem Allianzen zwischen Regierung, öffentlichen und privaten Unternehmen und medizinischen Fachgesellschaften aus, schreiben die Wissenschaftler. In Marokko etwa seien deutliche Fortschritte erzielt worden durch ein Partnerschaftsprogramm mit einer US-amerikanischen Klinik und den Anschluss an die Französisch-Afrikanische Kinderkrebsgruppe.

Außerdem verlaufe dort die Zusammenarbeit mit örtlichen Nicht- Regierungsorganisationen sehr erfolgreich. Diese Organisationen unterstützten betroffenen Familien finanziell und psychosozial, schärften aber in der Öffentlichkeit auch das Bewusstsein dafür, dass Krebs bei Kindern heilbar ist.

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