Ärzte Zeitung online, 09.09.2008

Vor der Facharztausbildung in Kanada müssen Hürden genommen werden

TORONTO. Kanada ist zu Recht ein beliebtes Einwanderungsland. Es locken pulsierende Großstädte und unberührte Natur. Auch für angehende Mediziner lohnt sich das Land. Wie sieht dort die Facharztausbildung aus?

Von Jan-Malte Ambs

Die Bewerbung für eine Facharztausbildung wird in Kanada über den Canadian Resident Matching Service, kurz CaRMS, abgewickelt. Kanadische Medizinstudenten bewerben sich in ihrem letzten Jahr beim CaRMS und geben eine Rangliste der von ihnen gewünschten Krankenhäuser und der Fachspezialität ab. Dann müssen sie zu Vorstellungsgesprächen bei den von ihnen gewählten Krankenhäusern.

Die Krankenhäuser machen wiederum eine Rangliste der Bewerber. Beide Ranglisten werden dann in einem Computersystem zusammengeführt. Am "Match Day", einige Monate vor Abschluss des Studiums, erfahren die Studenten dann, wo sie ihre Facharztausbildung beginnen können. Es kursieren viele Strategien, um beim CaRMS die gewünschte Stelle zu bekommen. Viele Studenten bevorzugen es auch, "unmatched" aus der Auswahl zu gehen, als eine Facharztausbildung der zweiten oder dritten Wahl zu beginnen.

Medizin-Kenntnis-Tests und Sprachnachweise sind Pflicht

Deutsche Mediziner, die sich für eine Facharztausbildung in Kanada bewerben wollen, müssen einige Hürden überwinden, bevor sie beim "Resident Matching" mitmischen dürfen. Alle internationalen Bewerber, außer US-Amerikanern, müssen die MCCEE bestehen, die Medical Council of Canada Evaluating Examination. Diese MCCEE kann man in 73 Ländern weltweit schreiben.

Die Prüfung besteht aus 175 Multiple-Choice Fragen aus allen Bereichen der Medizin. 1000 kanadische Dollar müssen dafür bezahlt werden. Wer durchfällt, kann es für 850 Dollar noch mal versuchen.

Englische Sprachkenntnisse müssen mit einem sehr guten TOEFL-Testergebnis nachgewiesen werden. Bewerber, die sich für Quebec interessieren, müssen wiederum fließend Französisch sprechen.

Die Facharztausbildung dauert zwischen zwei und sechs Jahren

Die Facharztausbildung dauert je nach Fachgebiet zwischen zwei und sechs Jahren. Family Medicine und General Practice zum Beispiel dauern zwei, Herz- oder Neurochirurgie sechs Jahre.

Das erste Jahr der Facharztausbildung besteht in den meisten Fachdisziplinen aus so genannten "rotations" durch grundlegende Fächer. So besteht das erste Jahr der Facharztausbildung Neurologie in Toronto aus Innerer Medizin, Kardiologie, Infektiologie, Notfallmedizin, einem frei wählbaren Bereich und natürlich Neurologie. Die gesamte Ausbildung ist klar strukturiert und organisiert, es gibt keinen Kampf um die "rotations" oder um Fallzahlen.

Nach der "residency" ist es üblich, sich auf eine ein- oder zweijährige Wanderschaft (fellowship) zu einem international renommierten Krankenhaus oder einem bekannten Spezialisten zu begeben. So machen zum Beispiel viele Neurologie-Residents im Anschluss ein "fellowship" bei den Parkinson-Spezialisten im Toronto Western Hospital.

Zur Person:

Jan-Malte Ambs ist freier Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung" und studiert im 10. Semester Medizin und Journalistik an der Universität Hamburg. Ambs hat gerade seine Famulatur in der Neurologie am Toronto Western Hospital beendet.

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