Ärzte Zeitung online, 23.10.2008

Unterhaus billigt Gesetz zur Forschung mit Tier-Mensch-Embryonen

LONDON (dpa). Nach monatelanger Debatte hat das britische Parlament das umstrittene Gesetz zur Herstellung von Tier-Mensch-Embryonen endgültig gebilligt. Die Abgeordneten im Unterhaus stimmten am Mittwochabend mit 355 zu 129 Stimmen für das Gesetz. Es erlaubt die Produktion von Embryonen aus Menschen-Erbgut und Tier-Eizellen für die Forschung.

Das Unterhaus stimmte zudem der Auswahl von Embryonen zu, um kranke Geschwister zu retten. Dabei suchen Ärzte nach einer künstlichen Befruchtung einen Embryo aus, der genetisch am besten zu einem lebensbedrohlich erkrankten Kind passt. Dieses erhält dann zur Therapie Zellen aus der Nabelschnur oder dem Knochenmark des ausgewählten jüngeren Geschwisterkindes.

Die Pläne zur Erweiterung der Stammzellenforschung hatten auch innerhalb der regierenden Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown für Ärger gesorgt. Am Mittwoch stimmte jedoch nur eine kleine Zahl der Abgeordneten der Partei gegen die Vorschläge. Das Gesetz muss nun vom Oberhaus in London abgenickt werden. Es hatte vor allem bei Kirchenvertretern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Update 23. Oktober 2008, 12:23 Uhr

Bei der Bildung von Tier-Mensch-Wesen (Chimären) setzen Forscher das Erbgut einer menschlichen Zelle in die entkernte Eizelle eines Tieres ein. Das Erbgut des entstehenden Embryos besteht zu 99,9 Prozent aus den Genen des Menschen. Doch die Eizelle der Tiere liefert diesem Embryo die Zellkraftwerke (Mitochondrien), die eigenes Erbgut besitzen.

Die Experten wollen den Embryo nicht zu einem Baby heranwachsen lassen, sondern ihm embryonale Stammzellen entnehmen und damit forschen. Solche Experimente erfolgten nach Auskunft der jeweiligen Wissenschaftler in den USA, in Südkorea und in China und 2008 mit Sondergenehmigung in Großbritannien.

Vorteil: Bei dem Verfahren werden keine Eizellen von Frauen benötigt. Eizellen von Tieren sind in nahezu unbegrenzter Zahl aus Schlachthöfen zu bekommen. Nachteil: Aufgrund des tierischen Erbmaterials befürchten viele Forscher, dass die Stammzellen bei der Therapie vom Patienten abgestoßen werden.

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