Ärzte Zeitung online, 11.11.2008

Choleragefahr im Ostkongo - Staatenbund bereit zu Truppen-Entsendung

NAIROBI/GOMa (dpa). Unter den Hunderttausenden Flüchtlingen in der ostkongolesischen Krisenprovinz Nord-Kivu droht eine Cholera-Katastrophe, wenn Hilfsorganisationen weiter aus Sicherheitsgründen nur eingeschränkt arbeiten können. Das betonte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Montag und forderte sicheren Zugang zu den Flüchtlingen.

  Nördlich von Goma seien UNICEF-Mitarbeiter mit einem Hilfstransport zwischen die Frontlinien der Milizen geraten und beschossen worden. Nach dem Vorfall in der vergangenen Woche seien die Helfer in der nahe gelegenen Stadt Rutshuru in Sicherheit gebracht worden. Am Montag wurden in Goma unter anderem zwei Hilfsflüge der britischen Regierung erwartet, sagte ein UNICEF-Sprecher in der Provinzhauptstadt von Nord Kivu.

Unter den mehr als 250 000 Flüchtlingen in Goma und Umgebung breitet sich die Cholera nach dem Bericht eines UNICEF-Helfer in Goma bereits aus. "Wir fürchten, dass dort, wo wir aus Sicherheitsgründen nicht helfen können, die Cholera katastrophale Ausmaße annehmen kann." Im völlig überfüllten Flüchtlingslager Kibati wurden bereits fast 50 Krankheitsfälle gezählt. Helfer des Roten Kreuzes versuchten inzwischen mit dem Bau von Latrinen, die katastrophalen hygienischen Verhältnisse zu verbessern.

Unterdessen haben sich die Teilnehmer des Sondergipfels des regionalen Staatenbundes SADC am Sonntagabend in Johannesburg grundsätzlich zur Entsendung von Friedenstruppen in den Kongo bereiterklärt. In einem SADC-Kommuniqué hieß es, der Staatenbund sei bereit, Friedenstruppen in die Kivu-Provinz zu schicken, falls dies zur Stabilisierung der Lage "notwendig" sei.

Dort konzentrieren sich die Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und den Truppen des Rebellenführers Laurent Nkunda. Es wurden aber keine Zahlen über eine mögliche Truppenstärke genannt.

In der Erklärung hieß es weiter, der Sondergipfel sei übereingekommen, "unverzüglich" eine Gruppe von Militärexperten in den Osten des Kongos zu entsenden, um die Lage zu analysieren. Der Staatenbund macht die unnachgiebige Haltung von Nkunda für das Scheitern bisheriger Vereinbarungen von Feuerpausen verantwortlich.

Die EU zeigte sich besorgt über die humanitäre Lage im Ostkongo und begrüßte die Ergebnisse eines Krisengipfels in der vergangenen Woche in Nairobi. Es sei gut, dass sich die Länder der betroffenen Region in die Suche nach einer Lösung für die Krise eingeschaltet hätten, teilten die EU-Außenminister am Montag in Brüssel mit.

Die Teilnehmer des Gipfels hatten die Konfliktparteien im Osten Kongos zu einer sofortigen Feuerpause aufgefordert. Zugleich hatten sie auf die Einrichtung "humanitärer Korridore" zur Versorgung der Flüchtlinge in Nord-Kivu gedrungen.

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