Ärzte Zeitung online, 26.01.2009

Obama bricht mit Bushs restriktiver Abtreibungspolitik

WASHINGTON (dpa). US-Präsident Barack Obama hat der restriktiven Politik seines Vorgängers George W. Bush beim Thema Abtreibung ein Ende gesetzt. Er hob eine Verordnung auf, die Finanzhilfen für internationale Organisationen untersagte, die Schwangerschaftsabbrüche unterstützen oder ausführen.

Diese Verordnung habe "in den vergangenen acht Jahren Anstrengungen unterminiert, eine sichere und effektive Familienplanung in Entwicklungsländern zu fördern", meinte Obama am Freitagabend (Ortszeit). Ausdrücklich wandte er sich gegen eine "Politisierung" der Abtreibungsfrage.

Kritik der katholischen Kirche an Obama kam umgehend: "Von allen Dingen, die er tun konnte, hat er das Schlechteste getan", sagte der frühere Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Elio Sgreccia, in einem Interview der Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Die Entscheidung sei ein "schwerer Schlag für all diejenigen, die in der Welt gegen das Massaker der unschuldigen Leben" kämpften.

Obama stelle in einer schriftlichen Erklärung fest: "Ich habe keine Absicht, diese veraltete und fruchtlose Debatte fortzusetzen." Ziel seiner Regierung sei es, die Zahl ungewollter Schwangerschaften zu verringern. "Es wird Zeit, dass wir die Politisierung dieses Themas beenden." Zugleich rief Obama den Kongress auf, US-Finanzhilfen an Organisationen der UN-Familienplanung wieder zu bewilligen.

Den Stopp der staatlichen Gelder hatte der republikanische Präsident Ronald Reagan 1984 verfügt. Zwar schaffte sein demokratischer Nachfolger Bill Clinton die Verordnung später ab, doch Bush setzte sie nach seinem Amtsantritt 2001 wieder in Kraft. Abtreibung ist seit Langem ein hochkontroverses Thema in den USA. Zwar sprach das Oberste Gericht 1973 jeder Frau das Recht auf Abtreibung zu, später wurde dieses Recht vor allem auf Ebene der Bundesstaaten eingeschränkt und der Zugang zur Abtreibung faktisch erschwert.

Hoffnung von Wissenschaftlern auf eine Wende in der amerikanischen Forschungspolitik ließ am Freitag die Billigung des ersten klinischen Tests mit embryonalen Stammzellen an Menschen aufkommen (wie berichtet). Bush hatte zu Beginn seiner Amtszeit vor acht Jahren strikte Auflagen für die Forschung mit embryonalen Stammzellen erlassen. Durch die Kürzung der Forschungsgelder fiel die amerikanische Stammzellenforschung im internationalen Vergleich um Jahre zurück. Die überraschende Zusage der Gesundheitsbehörde FDA zur Stammzellentherapie an Querschnittsgelähmten - nur drei Tage nach Amtsantritt von Obama - lässt US-Forscher nun hoffen, dass der neue US-Präsident auch die rigiden Auflagen seines Vorgängers in diesem Forschungsgebiet aufheben wird.

Von der klinischen Studie an zehn Querschnittgelähmten wird Aufschluss darüber erwartet, ob die von menschlichen Embryonen gewonnenen Zellen für Kranke verträglich sind. Weiterhin soll sie erste Erkenntnisse zu der Frage liefern, ob Stammzellen tatsächlich wie erhofft Lähmungen revidieren können, wenn sie wenige Tage nach der Verletzung injiziert werden. Das Biotechnik-Unternehmen Geron Corp. in Menlo Park (US-Bundesstaat Kalifornien) begrüßte die FDA-Entscheidung und teilte mit, die Studie werde im Sommer starten. "Dies ist der Beginn einer neuen Ära in der medizinischen Therapie", sagte Geron-Präsident Thomas Okarma der Zeitung "Wall Street Journal".

Gerons Angaben zufolge wäre dies die erste Studie weltweit zur Erprobung einer neuen Behandlung mit embryonalen Stammzellen. In vielen Laboren der Welt wird untersucht, ob sich embryonale Stammzellen zur Therapie zahlreicher Krankheiten anwenden lassen - außer bei Rückgratsverletzungen auch bei Herzproblemen, Diabetes sowie Parkinson oder anderen Nervenleiden.

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