Ärzte Zeitung online, 26.08.2009

US-Jury: Philip Morris soll Millionenstrafe zahlen

LOS ANGELES (dpa). Der Tabakkonzern Philip Morris muss nach dem Urteil eines Geschworenengerichts in Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien) eine Millionenstrafe zahlen. Wie die "Los Angeles Times" am Dienstag (Ortszeit) berichtete, soll die Tochter einer an Lungenkrebs gestorbenen Klägerin 13,8 Millionen Dollar (9,6 Millionen Euro) als Entschädigung erhalten. Der Rechtsstreit hatte 2001 begonnen.

Zunächst war unklar, ob der Tabak-Gigant erneut Berufung gegen das Urteil einlegen wird. In einer Mitteilung bezeichnete der Konzern die Summe als "verfassungswidrig exzessiv". Jedwede Strafzahlung sei in diesem Fall unvertretbar.

Die inzwischen gestorbene Amerikanerin Betty Bullock hatte im Alter von 17 Jahren mit dem Rauchen begonnen. Vor acht Jahren war sie gegen Philip Morris vor Gericht gezogen. Sie warf dem weltgrößten Zigarettenhersteller in dem Prozess vor, die Gefahren des Rauchens nicht deutlich gemacht zu haben. 2002 wurde der Konzern unter anderem wegen Betrugs und Fahrlässigkeit schuldig gesprochen und zur Zahlung einer Rekordstrafe von 28 Milliarden Dollar verurteilt. Ein Richter befand dies für "exzessiv" und reduzierte die Strafe auf 28 Millionen Dollar. 2008 wurde auch dieses Urteil wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben. Der Fall ging erneut vor Gericht.

Bullock war im Frühjahr 2003 im Alter von 64 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Sie lebte bei ihrer Tochter Jodie, die den Streit als Klägerin fortsetzte. Ihr wurde nun die Millionenentschädigung zugesprochen.

In den USA laufen seit Jahren Verfahren von Rauchern und deren Angehörigen gegen Tabakkonzerne. Häufig wurden die Unternehmen zu Millionenstrafen verurteilt, in den seltensten Fällen kam es aber tatsächlich zu Zahlungen, da sie Widerspruch einlegten oder Richter höherer Instanzen die Urteile aufhoben. Die meisten dieser Streitigkeiten ziehen sich über Jahre hin.

2007 verwarf der Oberste US-Gerichtshof in Washington eine Millionenklage der Familie eines an Lungenkrebs gestorbenen Kettenrauchers gegen Philip Morris. Der Konzern war zuvor von unteren Instanzen zur Zahlung von knapp 80 Millionen Dollar verurteilt worden. In der Begründung des höchsten US-Gerichts hieß es, die Geschworenen hätten Philip Morris nur für das Leid des speziellen Opfers bestrafen dürfen, nicht aber generell für Gesundheitsschäden anderer Raucher. 2004 hatte ein New Yorker Geschworenengericht der Witwe eines an Lungenkrebs gestorbenen Rauchers eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar zugesprochen. Die Tabakfirma Brown & Williamson legte damals sofort Berufung ein.

[01.10.2009, 09:01:01]
Dipl.-Med Rainer Höhne 
Wer hat wirklich Schuld?
Genussmittel sind oft ungesund. Dass Rauchen Krebs verursachen kann, ist seit ca. 100 Jahren bekannt und das lernt jedes Kind schon in der Schule. Wer 2000 hergeht und Tabakkonzerne verklagt, weil sie angeblich nicht Bescheid gesagt hätten, dass Rauchen schädlich ist, der müsste wie die Richter, die solche Klagen zulassen, für unzurechnungsfähig erklärt werden! zum Beitrag »

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