Ärzte Zeitung online, 27.08.2009

Ende des Raucher-Paradieses: Spanien will Verbote verschärfen

MADRID (dpa). Viele Spanien-Urlauber fühlen sich in vergangene Zeiten zurückversetzt: In den meisten Kneipen und Restaurants des Ferienlandes darf ohne Einschränkung geraucht werden. Während in Deutschland und anderen Ländern der blaue Dunst aus den meisten Gaststätten verbannt wurde, scheint Spanien noch immer ein "Raucher- Paradies" zu sein.

Nach der geltenden Gesetzgebung herrscht generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz. In Gaststätten können die Wirte in der Regel dagegen selbst entscheiden, ob in ihren Lokalen das Rauchen untersagt oder erlaubt ist.

Das Resultat: In 89 Prozent der über 350 000 Gaststätten darf gequalmt werden, nur 11 Prozent wurden zu Nichtraucher-Lokalen deklariert. Für große Gaststätten mit einer Fläche von über 100 Quadratmetern gilt eine Sonderregelung. Dort mussten Raucher- und Nichtraucher-Zonen räumlich voneinander getrennt werden.

Dabei hatte Madrid bereits vor vier Jahren - früher als viele andere Länder der Europäischen Union - relativ harsche Rauchverbote erlassen. Spanien wollte sich nicht länger als das "Raucherabteil Europas" bezeichnen lassen. Doch die Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero musste bald feststellen, dass ihr damals erlassenes Anti-Raucher-Gesetz die gesteckten Ziele nicht erreicht hat. Von 2006 bis 2008 stieg der Tabak-Konsum um 1,3 Prozent.

Nun plant die Regierung eine Verschärfung der geltenden Regelung. Sie erwägt, das Rauchen in allen geschlossenen und öffentlich zugänglichen Räumen zu verbieten. Dann wäre Schluss mit der Zigarette an der Kneipen-Theke oder mit der Zigarre nach dem Mahl im Restaurant. "Das vor vier Jahren verabschiedete Gesetz war ein Schritt in die richtige Richtung, aber es weist ein paar Lücken und Grauzonen auf", meint Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez.

Die Gastwirte widersetzen sich den Plänen der Regierung. Bei einer Verschärfung des Rauchverbots wären die Investitionen für das Einziehen von Trennwänden zum Fenster hinausgeworfenes Geld, wenden sie ein. Sie befürchten nicht nur Umsatzeinbußen, sondern auch Streit mit den Nachbarn: Wenn Kneipengäste zum Rauchen auf die Straße gehen müssten, sei Ärger mit den Anwohnern vorprogrammiert. "Eine Kneipe ist kein Gesundheitszentrum", schreibt ein Raucher in einer E-Mail an die Zeitung "El Mundo". "Man nimmt auch seine Kinder nicht mit in den Sexshop und beklagt sich darüber, dass dort Pornos angeboten werden."

Demgegenüber weisen mehrere Ärzte-Verbände darauf hin, dass in Spanien pro Jahr mehr als 50 000 Menschen an den Folgen des Tabakgenusses sterben, darunter 6000 Passivraucher. Die jetzige Regelung setze die 800 000 Beschäftigten im Gaststättengewerbe schutzlos dem Zigarettenqualm aus. Die Präsidentin des Anti-Tabak-Verbandes CNPT, Carmen Planchuelo, bemängelt, die jetzigen Rauchverbote ließen zu viele Ausnahmen zu: "Das ist so, als erlaubten es die Verkehrsregeln, bei Rot über eine Kreuzung zu fahren, wenn kein anderes Auto kommt."

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