Ärzte Zeitung online, 10.09.2009

UNICEF: Kindersterblichkeit sinkt - Lage aber dramatisch

KÖLN/NEW YORK (dpa). Weltweit sind 8,8 Millionen Kinder im vergangenen Jahr noch vor ihrem fünften Geburtstag gestorben - größtenteils an vermeidbaren, leicht behandelbaren Krankheiten. Die Überlebenschancen für die Kleinsten haben sich zwar in den Entwicklungsländern seit 1990 deutlich verbessert, teilte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Donnerstag in Köln und New York mit. Dass jedes Jahr Millionen Kleinkinder sterben, sei aber nicht hinnehmbar, betonte UNICEF-Direktorin Ann M. Veneman.

Todesursache sind vor allem Durchfall und Lungenentzündung, Mangelernährung, Malaria und Aids. 40 Prozent der Todesfälle entfallen auf die drei bevölkerungsreichen Länder Indien, Nigeria und die Demokratische Republik Kongo. Wenn es dort keine klaren Fortschritte gebe, werde ein wesentliches Millenniumsziel der Vereinten Nationen - die Kindersterblichkeit soll bis 2015 weltweit um zwei Drittel im Vergleich zu 1990 sinken - verfehlt.

1990 waren noch 12,7 Millionen Jungen und Mädchen infolge von Unterernährung und Krankheiten nicht einmal fünf Jahre alt geworden. "Verglichen mit 1990 sterben heute jeden Tag 10 000 Kinder weniger", sagte Veneman. Das bedeute einen Rückgang um 28 Prozent. Fast überall seien Fortschritte erkennbar, allerdings mit gewaltigen regionalen Unterschieden.

93 Prozent aller Todesfälle bei Kleinkindern entfallen auf Afrika und Asien. In einzelnen Ländern wie - wegen Aids - in Südafrika stieg die Sterblichkeit seit 1990 sogar weiter. Dagegen gehören Malawi, Nepal, Bangladesch, Eritrea, Laos, Mongolei oder Bolivien zu den Ländern mit guter Entwicklung, dank Maßnahmen wie Impfungen, besserem Malaria-Schutz oder Vitamin-A-Gaben.

Aber auch die gesunkenen Zahlen seien "absolut nicht akzeptabel", betonte eine Sprecherin von UNICEF Deutschland in Köln. "Es ist gut, dass wir in etlichen Ländern Fortschritte erreicht haben, aber die Anstrengungen müssen verstärkt werden. Die Kinder sterben ganz überwiegend an Krankheiten, die so einfach zu behandeln wären", sagte Sprecherin Helga Kuhn. "Mit dem Aufbau einer einfachen Gesundheitsversorgung könnte man in vielen Ländern sehr viele Kinderleben retten." Die neuen Zahlen gehen auf Schätzungen von UNICEF, Weltbank, Weltgesundheitsorganisation WHO zurück.

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