Ärzte Zeitung online, 21.09.2009

Obama auf allen Kanälen

WASHINGTON (dpa). Beispiellose Medien-Offensive von Barack Obama: Mit einem neuen Rekord von fünf TV-Interviews an einem Tag versucht der innenpolitisch unter Druck geratene US-Präsident wieder in die Offensive zu gehen. Obama gewährte den TV-Sendern ABC, NBC, CBS, CNN sowie dem spanisch-sprachigen Sender Univision ein Gespräch.

Hauptziel des Unternehmens am Sonntag war es, im Streit um die Gesundheitsreform wieder die Oberhand zu gewinnen. Doch vor allem US-Zeitungen fragen sich, ob der Präsident es mit seiner Medienpräsenz nicht übertreibt.

"Wie viel Obama ist zu viel Obama?", fragte etwa die "New York Times". Spitz sprach sie von einer "Omnipräsenz" des Präsidenten. Andere Printmedien berichteten von einem "historischen Medien-Blitz". Niemals zuvor sei ein US-Präsident mit fünf Interviews an einem Tag im Fernsehen gewesen.

Allerdings: Viel Neues gab Obama nicht zum Besten. Er wiederholte sattsam bekannte Argumente in Sachen Gesundheitsreform, breitete nochmals seine Pläne für Afghanistan aus - und widersprach dem jüngsten Alarm von Ex-Präsident Jimmy Carter, wonach Obama-Kritiker oftmals von heimlichem Rassismus getrieben seien. Dem Sender CBS sagte Obama etwa, es werde keine Steuererhöhungen zu Finanzierung der Gesundheitsreform geben. Auf CNN meinte er, es gebe zwar sehr wohl Leute, die ihn wegen seiner Hautfarbe nicht mögen. "Aber das ist nicht das entscheidende Thema." Und auf ABC wiederholte er nochmals, er sei "skeptisch", noch mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken und wolle erst mal die "Strategie-Frage" klären.

Obama war von Anfang an ein Liebling der Medien. Seit seinem Amtsantritt vor genau acht Monaten übertragen die großen TV-Sender fast täglich Reden des Präsidenten. Experten errechneten, seitdem habe er alles in allem 124 Interviews gegeben - fast drei Mal mehr als Amtsvorgänger George W. Bush in seinen ersten Monaten im Weißen Haus.

Obama-Sprecher Robert Gibbs widersprach allerdings der Befürchtung, der Präsident könnte sich medial abnutzen. Es komme darauf an, so viele Leute wie nur irgend möglich anzusprechen. Und er erinnerte Journalisten an ihre eigenen Worte: Noch vor kurzem meinten nämlich einige Medien, Obama engagiere sich nicht genügend im Ringen um die Gesundheitsreform.

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