Ärzte Zeitung, 26.10.2009

Hausärzte - von der Kasse verrentet

Regionalposse in Frankreich: Ein EDV-Fehler verunsichert Hausärzte und Patienten

PARIS (DDB). In Tourcoing in Nordfrankreich sind etwa 2000 Patienten von ihrer Krankenkasse schriftlich angewiesen worden, ihren Hausarzt zu wechseln. Die Begründung lautete, dass ihr behandelnder Arzt, bei dem sie eingeschrieben waren, in den Ruhestand gegangen sei.

Das war schlichtweg falsch und beruhte auf einem Computerfehler. Die EDV der Krankenkasse hat berufstätige und pensionierte Ärzte verwechselt. Entsprechend entgeistert wurden die teils jungen Ärzte von ihren Patienten darauf angesprochen, warum sie zu früh in den Ruhestand gehen wollten.

In Frankreich müssen Patienten seit einigen Jahren einen sogenannten behandelnden Arzt wählen. Dieser nimmt unter anderem auch die Überweisung zu anderen Fachärzten vor. Patienten, die dieses Verfahren ablehnen, müssen mit erhöhten Zuzahlungen bei Facharztbesuchen rechnen. Aus diesem Grund war die Aufregung bei Patienten besonders groß. Aber auch Ärzte fürchteten wegen des falschen Schreibens der Kasse die Abwanderung von Patienten. Es dauerte mehr als einen Monat, bis die Krankenkasse ihren Versicherten eine Richtigstellung schickte und ihren Irrtum eingestand.

In der Zwischenzeit mussten Ärzte in ihren Praxen viel Aufklärungsarbeit in eigener Sache leisten und klarstellen, dass von baldigem Ruhestand keine Rede sein könne. Der 31-jährige Hausarzt Dr. Bernard Legrand aus Tourcoing, der ebenfalls seinen Patienten irrtümlich als Pensionär angekündigt worden war, ist noch immer sauer. Für einen Entschuldigungsbrief an die Ärzte hatte die Krankenkasse bislang keine Zeit gefunden, moniert er.

Topics
Schlagworte
Gesundheitspolitik international (7520)
Organisationen
DDB (104)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »