Ärzte Zeitung, 19.01.2010

Haiti-Hilfe wird zum logistischen Problem

DRK schickt weitere mobile Klinik / Aufblasbares Krankenhaus von "Ärzte ohne Grenzen" noch nicht im Einsatz

PORT-AU-PRINCE (dpa/bee). Die Erdbebenkatastrophe vor einer Woche in Haiti wird zu einer logistischen Mammutaufgabe für die Hilfsorganisationen: Neben den chaotischen Zuständen und ersten Unruhen auf den Straßen ist der Flughafen der Hauptstadt Prot-au-Prince mittlerweile überlastet.

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Op unter freiem Himmel: Die Versorgungssituation bleibt auch eine Woche nach dem Erdbeben äußerst prekär. © dpa

US-Truppen haben dort das Komando übernommen, es sollen bis zu 12 000 Soldaten stationiert werden. Die Regierung von Haiti hat den Ausnahmezustand ausgerufen.

Hilfsorganisationen sehen den Einsatz der USA nicht nur positiv: "Die USA haben den Blick mehr auf das militärische gerichtet, die UN mehr auf die humanitäre Seite", umschreibt Rüdiger Ehrler von der Deutschen Welthungerhilfe, warum die Hilfsaktion mit Verzögerungen angelaufen sein könnte. Auch Rainer Löb, Bundesarzt des Malteser Hilfsdienstes in Köln, sieht Probleme auf die Organisationen zukommen: "Alle wollen nur Gutes. Aber wenn Sie das nicht koordiniert bekommen innerhalb weniger Tage, dann haben sie unter Umständen völlig unsinnige Aktionen, völliges Chaos."

Die genaue Zahl der Opfer ist offiziell weiter unklar. Schätzungen gehen von bis zu 200 000 Toten aus. Rund 70 000 Leichen seien bereits geborgen, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive dem US-Fernsehsender ABC. Zahlreiche Menschen - darunter 16 Deutsche - werden seit dem Beben weiter vermisst.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird diese Woche nach der mobilen Gesundheitsstation noch ein Hospital ins Erdbebengebiet entsenden (wir berichteten). Das Hospital kann nach DRK-Angaben bis zu 700 Patienten täglich ambulant versorgen und hat 120 stationäre Betten.

Rettungstrupps von Caritas International erreichten die Region um Léogâne, etwa 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince. "Hier sind etwa 70 bis 80 Prozent der Gebäude zerstört", so Mitarbeiter Alexander Bühler nach Angaben der Caritas. Rund 20 Kilometer weiter westlich, in dem Ort Petit Goave, seien viele der alten Holzhäuser dagegen nicht zerstört.

Noch immer nicht vollständig eingetroffen ist dagegen das aufblasbare Krankenhaus von "Ärzte ohne Grenzen". Nach deren Angaben hatte eines der Transportflugzeuge keine Landegenehmigung für den Flughafen erhalten. Die Mitarbeiter der Organisation operierten nun pausenlos im wieder einsatzfähigen OP-Trakt des Carrefour- sowie des Choscal-Hospitals. Der Bedarf an lebensrettenden chirurgischen Eingriffen für die Schwerverletzten sei "immens". "Da draußen tobt ein Krieg", sagte der Arzt Karmi Bar-Tal nach israelischen Medienberichten zu den chaotischen Zuständen seit dem Erdbeben. "Wir entlassen Patienten, aber wir wissen nicht, was sie erwartet."

Immer öfter wird ebenso über Plünderungen und Schießereien auf den Straßen berichtet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bat unterdessen die Opfer des Jahrhundertbebens, die zunehmend verzweifelt auf Hilfe warten, um Geduld. Voraussichtlich am 25. Januar werde sich die Weltgemeinschaft auf einer Konferenz in Montréal (Kanada) über den Wiederaufbau Haitis abstimmen, sagte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner am Montag im französischen Rundfunk.

Weltweite TV-Galas für Erdbebenopfer

In den USA und Deutschland gibt es in den kommenden Tagen TV-Galas für die Erdbebenopfer, in denen Stars wie George Clooney und Thomas Gottschalk zur Hilfe für den schwer getroffenen Karibikstaat aufrufen. Das ZDF strahlt am Dienstag die Sendung "Wir wollen helfen - Ein Herz für Kinder" aus. Es ist eine Sonderspendenshow des öffentlich-rechtlichen Senders und der "Bild"- Zeitung. Die Moderatoren Thomas Gottschalk und Steffen Seibert werden zu Spenden aufrufen. Am 22. Januar wird der zweistündige Spendenmarathon "Hope for Haiti" live auf zahlreichen US-Sendern, darunter MTV, ABC, CBS, NBC, CNN, FOX und HBO ausgestrahlt.

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