Ärzte Zeitung online, 10.03.2010

Vietnam lockert Zwei-Kind-Politik

HANOI (dpa). Vietnam lockert seine in den 80er Jahren eingeführte Zwei-Kind-Politik. Bestimmte Ehepaare dürfen nun auch ein drittes Kind bekommen, teilte die Chefin des Büros für Bevölkerungsentwicklung in Hanoi am Mittwoch mit.

Ein drittes Kind sei erlaubt, wenn die Eltern Zwillinge haben oder ein behindertes Kind, wenn ihre Kinder aus früheren Ehen stammen oder wenn ein Kind gestorben sei, präzisierte Nguyen Thi Thanh Huong. Auch bestimmte ethnische Minderheiten dürfen mehr als zwei Kinder bekommen.

Vietnam hat seine Zwei-Kind-Politik bisher nie rigoros durchgesetzt. Es gab keine Zwangsabtreibungen. Doch wurden Familien mit mehr als zwei Kindern finanziell benachteiligt.

Angestellte in Staatsbetrieben wurden zum Beispiel nicht mehr befördert. Die Geburtenrate lag 2008 bei 2,09 pro Frau. 16,9 Prozent der Frauen hatten mehr als zwei Kinder. Mit 86 Millionen Einwohnern steht Vietnam gemessen an der Bevölkerung weltweit an 13. Stelle.

Mehr als das Bevölkerungswachstum macht der Regierung inzwischen die wachsende Diskrepanz zwischen Jungen- und Mädchengeburten Sorge. Weil Vietnamesen kulturell Söhne bevorzugen, werden pro 100 Mädchen bereits 112 Jungen geboren. Normal ist eine Rate von etwa 106 zu 100. Weibliche Föten werden nach Geschlechtsbestimmungen durch Ultraschall oft abgetrieben.

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