Ärzte Zeitung online, 24.06.2010

Milliardenhilfen gefordert zur Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit

TORONTO (dpa). Hilfsorganisationen fordern von den sieben großen Industrienationen und Russland (G8) neue Hilfszusagen in Höhe von 24 Milliarden US-Dollar bis 2015, um die Kinder- und Müttersterblichkeit zu senken. Auf dem diesjährigen G8-Gipfel, der am Freitag in Huntsville nahe Toronto beginnt, hat Gastgeber Kanada das Problem in den Mittelpunkt der Entwicklungsthemen gestellt.

Bei der Erfüllung der Millenniumsziele bis 2015 hinken diese beiden Punkte am meisten hinterher. "In unserer menschlichen Entwicklung kommen Frauen und Kinder zuletzt", kritisierte Marwin Meier von der christlichen Hilfsorganisation World Vision am Donnerstag in einem Gespräch der Nachrichtenagentur dpa in Toronto.

Jede Stunde sterben nach seinen Angaben 1000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die leicht zu vermeiden wären. Etwa 40 Prozent dieser Kinder seien nicht einmal einen Monat alt. "Genau die Schwächsten in unseren Gesellschaften bekommen am wenigsten Entwicklung mit", sagte Meier. "Das ist etwas, wo man nicht mehr wegschauen kann."

Die Millenniumsziele machten diese Lücken messbar. Nach den 2000 vereinbarten Vorgaben soll der Tod von Kindern unter fünf Jahren bis 2015 um zwei Drittel reduziert werden, bei den Müttern um drei Viertel.

Die Kinder- und Müttersterblichkeit könne mit ganz einfachen Mitteln gesenkt werden, indem die Ernährung, Hygiene, Immunisierung und Behandlung von Malaria verbessert oder die Übertragungen des HI-Virus von Müttern auf ihre Kinder verhindert werden, sagte Meier. Die Hilfsorganisationen suchten "robuste Finanzierungszusagen" der einzelnen G8-Länder. Es müssten zusätzliche Hilfen sein, "keine Mogelpackungen" mit Mitteln aus anderen Entwicklungshilfeposten. Durch die Weltwirtschaftskrise seien aber die Kassen äußerst knapp.

Die Vereinten Nationen hätten ermittelt, dass die Weltgemeinschaft insgesamt zusätzlich 40 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre aufbringen müsse, um diese beiden Millenniumsziele zu erreichen. Als G8-Anteil forderten die Hilfsorganisationen daher 24 Milliarden US-Dollar. "Ich fürchte aber, es werden viel weniger", sagte Meier. Nach der früheren Verteilung unter den G8-Staaten kämen daher auf Deutschland bis 2015 schätzungsweise 500 Millionen US-Dollar jährlich zu.

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