Ärzte Zeitung online, 27.10.2010

Zahl der Cholera-Toten in Haiti steigt - Menge greift Cholera-Zentrum an

PORT-AU-PRINCE (dpa). Trotz massiver internationaler Hilfe ist die Zahl der Cholera-Toten in Haiti weiter gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Port-au-Prince starben in der Woche seit Ausbruch der Krankheit mehr als 270 Menschen. Aus Angst vor der Infektion zerstörte eine Menschenmenge ein gerade errichtetes Behandlungszentrum in der Stadt Saint-Marc.

Die WHO hatte erklärt, das Risiko sei hoch, dass die Cholera auf weitere Teile Haitis, aber auch auf das Territorium der Dominikanischen Republik, des Nachbarn Haitis auf der Insel Hispaniola, übergreifen könne. Das Land sperrte die Grenzübergänge zu Haiti und führte strenge Kontrollen ein.

Die unter der Führung der UN aktiven Hilfsorganisationen warnten weiter vor der Gefahr einer Epidemie und verstärkten die Vorsorgemaßnahmen. "Die Lage ist nicht unter Kontrolle. Es gibt Berichte, dass sich die Cholera nach Norden ausbreitet." Jeden Tag würden neue Patienten in die Klinik von Drouin gebracht, sagte Caroline Klein von der Hilfsorganisation Humedica, die mit zwei Ärzteteams im Einsatz ist. Die Zahl der Infizierten stieg nach offiziellen Angaben auf über 3600.

"Die Situation in den betroffenen Gebieten in der Region Artibonite ist natürlich dramatisch", sagte Federico Motka, Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe in Haiti. "Wir müssen die Prävention besonders in den ländlichen Gebieten verstärken, denn das Risiko einer landesweiten Epidemie ist weiterhin groß". Möglichst viele Menschen werden über die Cholera aufgeklärt, Abwasserkanäle gesäubert, Trinkwasseranlagen bereitgestellt.

Einen Rückschlag erlitten die internationalen Helfer in Saint-Marc. Offenbar aus Angst vor Ansteckung griffen Einheimische am Dienstag ein neu aufgebautes Cholera-Zentrum mit 400 Betten an, das die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen auf einem Fußballplatz in der Nähe des Krankenhauses errichtet hatte. Mehrere Zelte seien in Brand gesetzt worden, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Das Zeltkrankenhaus soll nun an anderer Stelle aufgebaut werden.

Unterdessen teilte die Weltbank in Washington mit, umgerechnet 22 Millionen Euro für das bisher größte Wiederaufbauprojekt in Port-au- Prince bewilligt zu haben. Von dem Geld sollen rund 140 000 Einwohner in der Hauptstadt und im Vorort Carrefour profitieren, die beim Erdbeben im Januar ihr Hab und Gut verloren hatten. Mit den Mitteln sollen 60 000 Kubikmeter Trümmer beseitigt, die Infrastruktur in den Stadtteilen wiederhergestellt und Wohnhäuser aufgebaut werden.

Bei dem Erdbeben mit über 220 000 Toten am 12. Januar war der Großraum Port-au-Prince in weiten Teilen zerstört worden. Noch heute leben rund 1,5 Millionen Opfer der Katastrophe in Obdachlosen-Camps und neben den Trümmern ihrer zerstörten Häuser. Der Wiederaufbau, für den die Weltgemeinschaft rund zehn Milliarden Dollar zusagte, hat noch nicht im großen Stil begonnen.   

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »