Ärzte Zeitung online, 22.11.2010

Armutsrisiko steigt bei fehlender Krankenversicherung

BERLIN (dpa). Menschen ohne Krankenversicherung haben nach Darstellung der Weltgesundheitsorganisation WHO ein erhöhtes Armutsrisiko.

Jedes Jahr rutschen nach dem Weltgesundheitsbericht 2010 der WHO weltweit 100 Millionen Menschen in die Armut ab, weil sie nicht krankenversichert sind. Aus dem Bericht, der am Montag in Berlin vorgestellt werden soll, zitiert vorab die Tageszeitung "Die Welt".

Dem Bericht zufolge ist die unzureichende Finanzierung der Gesundheitsversorgung nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern. Die WHO beklagt, dass auch in Industriestaaten viele Menschen mit den Behandlungskosten überfordert seien.

In den USA seien Privatleute meistens deshalb überschuldet, weil sie Behandlungskosten nicht zahlen konnten. Auch in Griechenland, Portugal, Polen und Ungarn müssten viele Menschen finanzielle Härten erleiden, da sie direkt für ihre medizinische Versorgung zahlen müssten.

Weltweit erlitten 150 Millionen Menschen finanzielle Katastrophen, weil ihnen eine ausreichende Absicherung im Krankheitsfall fehle.

Die WHO ruft dem Bericht zufolge ärmere Länder dazu auf, die staatlichen Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zu erhöhen, etwa durch Steuern auf Alkohol und Tabak.

Reichere Länder sollten dagegen für mehr Effizienz in ihren Gesundheitssystemen sorgen. Nach Angaben der WHO werden jährlich fast 300 Milliarden US-Dollar aufgrund von Ineffizienz im Krankenhausbereich vergeudet.

Eine Durchsicht zahlreicher Studien habe ergeben, dass Krankenhäuser bei gleichem Aufwand durchschnittlich 15 Prozent mehr leisten könnten.

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