Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Strenges Rauchverbot bringt Spaniens Paffer in Rage

MADRID (dpa). Der "cafelito" (kleine Kaffee) in der Eckkneipe am Vormittag ist vielen Spaniern heilig. Für Arbeiter wie Angestellte ist er eine willkommene Pause und auch eine Gelegenheit, vor dem späten Mittagessen eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen. Die Zigarette gehörte zu diesem Ritual oftmals dazu. Doch seit der Einführung eines strengen Rauchverbots für alle Gaststätten am 2. Januar (wir berichteten) ist das vorbei. Am Montag, dem ersten Arbeitstag nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, wurden Millionen Beschäftigte in dem Land mit der neuen Realität konfrontiert.

Strenges Rauchverbot bringt Spaniens Paffer in Rage

Geächtet wie Verbrecher fühlen sich manche Raucher in Spanien. Seit Anfang des neuen Jahres hat das Land das schärfste Rauchverbot-Gesetz in Europa.

© Jun Dangoy / fotolia.com

"Die Umsetzung klappt gut", verkündete Gesundheitsministerin Leire Pajín schon am Morgen. Es werde aber eine Weile dauern, bis sich die Raucher daran gewöhnten. Dem kann José Luis nur zustimmen. "Selten habe ich meinen Kaffee so schnell getrunken wie heute", scherzt der 35 Jahre alte Bankangestellte vor einer Bar in einem Büroviertel Madrids, während er bei fünf Grad an seiner Zigarette zieht.

Er ist nicht allein. Die Straße bietet ein skurriles Bild, denn auch vor den anderen Lokalen versammeln sich die Raucher trotz der Kälte im Freien. "Ich kann verstehen, dass die Nichtraucher geschützt werden sollen, aber ich hole mir hier draußen den Tod", kritisiert José Luis. Ans Aufhören denkt er nicht, "zumindest noch nicht".

Ein paar Meter weiter empört sich eine junge Frau: "Wie immer ist unsere Regierung über das Ziel hinausgeschossen. Wir sind doch nicht in Skandinavien!" Dass es selbst in größeren Gaststätten keine Raucherzonen geben darf, ärgert sie am meisten - zumal am Arbeitsplatz Zigaretten schon seit 2006 tabu sind. Drinnen freut sich dagegen Kellnerin Cristina. "Es ist wunderbar, ich kann besser atmen und auch tränen meine Augen nicht", sagt die 31-Jährige, die selbst Raucherin ist. Tatsächlich riecht es in dem Lokal wie frisch geputzt - sonst stank es dort schon am Morgen wie in einer Räucherstube.

Es seien nicht bedeutend weniger Gäste gekommen als sonst, sagt Cristina. Die Raucher gingen aber schneller, weil sie nach dem Kaffee nun vor die Tür müssten." Aber: "Wir hatten auch einige neue Gäste, die nur gekommen sind, weil hier jetzt nicht mehr gequalmt wird." Den Hotel- und Gaststättenverband könnten solche Erfahrungen zum Nachdenken bringen, denn er macht seit Wochen mit Horrorvisionen Front gegen das neue Gesetz: Bis zu zehn Prozent Einbußen und 150 000 Arbeitsplätze werde das Rauchverbot die Branche kosten.

Bei den meisten Wirten herrscht Resignation. Und es macht sich südländischer Einfallsreichtum breit: In Terrassenlokalen werden Gasheizöfen aufgestellt oder Decken verteilt. So mancher Raucher nutzte den Gang vor die Tür allerdings auch, um sich ohne zu bezahlen aus dem Staub zu machen.

Andere Wirte legen sich mit der Regierung an. In Sevilla etwa verkündete ein Kneipenbesitzer, er denke nicht daran, seinen Kunden das Rauchen zu verbieten. Prompt kassierte er eine Anzeige. Mehr als 300 sind es nach Angaben der Verbraucherschutz- Organisation FACUA bereits landesweit. Es drohen Strafen zwischen 30 und 600 000 Euro, und zwar auch auf Spielplätzen sowie vor Krankenhäusern und Schulen, denn dort heißt es ebenfalls: "Prohibido fumar" (Rauchen verboten).

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