Ärzte Zeitung, 20.01.2011

Britische Kliniken schlagen Alarm: Grippe gefährdet Versorgung

Die Grippewelle in Großbritannien hat gravierende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung: In den Kliniken auf der Insel sind alle Betten belegt, Operationen müssen abgesagt werden.

Von Arndt Striegler

Britische Kliniken schlagen Alarm: Versorgung gefährdet!

NHS-Werbung gegen die Grippe in London: Die Influenza-Welle sorgt derzeit für Versorgungsengpässe auf der Insel.

© dpa

LONDON. Grippe und andere Infektionskrankheiten sorgen in britischen Krankenhäusern derzeit für Versorgungsengpässe.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervorgeht, haben landesweit mehr als 60 Kliniken die Patientenaufnahme für nicht dringende Fälle gestoppt, da alle Betten belegt sind. Es handelt sich um die schwerste Versorgungskrise seit Jahrzehnten.

Krankenhäuser in Liverpool, London, Norwich, Derby und Great Yarmouth haben sogenannte "Black alerts" ausgegeben.

Dabei handelt es sich um Warnungen der höchsten Alarmstufe, die bedeuten, dass alle Betten auf Intensivstationen und auch auf anderen Stationen voll belegt sind. Daraufhin wurden tausende Operationen abgesagt.

Augenzeugen berichten von zum Teil chaotischen Zuständen in Krankenhäusern. In vielen Londoner Kliniken des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) müssen Patienten in Ambulatorien sechs Stunden oder noch länger auf eine fachärztliche Konsultation warten.

Auf Fluren der Stationen sind Notbetten errichtet worden, um alle Patienten unterzubringen.

"Grippe, Norovirus-Infektionen und andere oftmals winterbedingte Krankheiten drohen den NHS lahmzulegen", berichtete der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA). Und: "So schlimm war es seit Jahrzehnten nicht mehr!"

Nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums wurden in England allein im Januar bisher mehr als 1200 Klinikbetten mit Patienten, die sich mit dem Norovirus infizierten, neu belegt.

Diese Betten fehlen für andere Patienten. Das Londoner Gesundheitsministerium rechnet auch für die kommenden Wochen mit Versorgungsengpässen.

Das gelte besonders für die NHS-Intensivmedizin, da dort gegenwärtig überdurchschnittlich viele schwer erkrankte Grippe-Patienten untergebracht seien.

Fachärztliche Berufsverbände kritisierten die Gesundheitspolitiker und die Krankenhausverwaltungen.

"Das Frustrierende an dieser Situation ist die Tatsache, dass das alles vorhersehbar war und dass trotzdem von Politik und Klinik-Bürokratie nicht genug unternommen wurde, um rechtzeitig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen", sagte ein BMA-Sprecher der "Ärzte Zeitung".

Lesen Sie dazu auch:
Grippe in England verursacht Engpässe beim Personal

[21.01.2011, 08:55:19]
Wilfried Soddemann 
Noroviren - Alarm: Trinkwasser macht krank! Influenzasaison 2010/2011 startete wie immer bei 7°C kaltem Trinkwasser!
Die privatisierte Trinkwasserversorgung und -aufbereitung in England hat einen besonders niedrigen Stand:

Norovirus-Infektionen mit heftigem Brechdurchfall werden allein durch Fäkalien entweder in Lebensmitteln oder im Trinkwasser ausgelöst, bevor sie sekundär übertragen werden können, besonders augenfällig in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. In unseren Gewässern, auch im Grundwasser, kommen Viren vor. Wasserwerke können Viren regelmäßig nicht filtern. Kaltes Wasser konserviert ansteckende Viren. Offensichtlich folgen die Norovirus-Infektionen jedes Jahr streng dem Verlauf der Kälte im Wasser und in den Wasserleitungen. Unsere Lebensmittel haben das ganze Jahr über in etwa die gleiche Temperatur. Das Trinkwasser nicht. Es hat sein Temperaturminimum im Februar/März. Also muss das Trinkwasser die Norovirus-Infektionen auslösen! Unsere Wasserwerke müssen so nachgerüstet werden, dass auch Viren abgefiltert werden.

Jetzt bei Trinkwassertemperaturen unter 7°C ging es wieder los. Die saisonale Influenza wird durch das kalte Trinkwasser ausgelöst. Das kalte Trinkwasser konserviert und transportiert die sehr kleinen Influenzaviren. Menschen scheiden das neue H1N1 Schweinegrippevirus mit Erbrochenem und Durchfall aus. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und mit ihren Ausscheidungen aus Nase und Maul bzw. Schnabel das Wasser. Oberflächen-, Quell- und Grundwasser sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb tritt die Influenza bei uns überwiegend im Winter auf. Die sehr kleinen Viren werden im herkömmlichen Wasserwerk nur unvollständig gefiltert. Chlorung z. B. bringt wenig, weil Viren im Wasser verklumpt vorkommen und deshalb von den herkömmlichen Desinfektionsverfahren nicht vollständig erreicht werden. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Trinkwasser muss frei von Viren sein. Das geht mit der Ultrafiltration, für einen halben Euro pro Person und Monat.  zum Beitrag »

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