Ärzte Zeitung, 27.05.2011

Schmerzpatienten in Großbritannien schlecht versorgt

Schmerzpatienten in Großbritannien schlecht versorgt

Großbritannien: Budgetkürzungen im Gesundheitswesen und Mangel an Fachpersonal für Schmerzpatienten.

© Sean Gladwell / fotolia.com

LONDON (ast). Budgetkürzungen im britischen Gesundheitsetat haben dazu geführt, dass Schmerzpatienten nicht länger zeitnah und umfassend fachmedizinisch versorgt werden können. Darauf wiesen kürzlich Patientenorganisationen und ehemalige Mitarbeiter des staatlichen Gesundheitswesens (National Health Service, NHS) hin.

Die Versorgungssituation für Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, sei heute schlechter als vor 40 Jahren, hieß es.

Laut Gesundheitsministerium versorgt statistisch gesehen ein Schmerzspezialist heute durchschnittlich 32 000 Patienten.

Lediglich jeder vierte unter chronischen Schmerzen leidende Patient wird von seinem Hausarzt überhaupt an einen Schmerzspezialisten überwiesen.

Diese Zahlen beziehen sich auf Patienten, die zwölf Wochen oder länger unter ständigen Schmerzen leiden. Es fehlt an Spezialisten und Fachkliniken. Und: 57 Prozent der von der "Patients Association" (PA) befragten 4400 Patienten sagen, "wenig" beziehungsweise "gar nichts" über die Nebenwirkungen ihrer medikamentösen oder anderweitigen Schmerztherapie zu wissen.

27 Prozent der 4400 befragten Patienten gaben an, in den vergangenen fünf Jahren unter chronischen Schmerzen gelitten zu haben. Der Patientenverband schätzt, dass Arbeitnehmer jährlich mehr als fünf Millionen Tage arbeitsunfähig sind, weil sie unter Rückenschmerzen leiden.

Die PA kritisierte, dass Schmerztherapie in der haus- und fachärztlichen Ausbildung lediglich als Randthema abgehandelt werde. Durchschnittlich seien 13 Stunden der Ausbildungszeit dem Thema Schmerztherapie gewidmet, so PA-Sprecherin Katherine Murphy.

Forderung des Patientenverbands: mehr NHS-Schmerzkliniken und eine bessere Integration des Themas Schmerztherapie in die haus- und fachärztliche Aus- und Weiterbildung.

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