Ärzte Zeitung online, 27.07.2011

Spaniens Rotstiftpolitik trifft Patienten hart

BARCELONA (mame). Jetzt hat die spanische Wirtschaftskrise endgültig auch das staatliche Gesundheitssystem erreicht.

Spaniens Rotstiftpolitik trifft Patienten hart

Das historische Hospital de la Santa Creu i Sant Pau in Barcelona - die Versicherten in dem Land gehen gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Barrikaden.

© imagebroker / imago

Spanien und vor allem die hochverschuldeten Regionalregierungen müssen dringend sparen. Auch Spaniens reichste Region Katalonien mit ihrer Mittelmeermetropole Barcelona muss insgesamt sieben Milliarden Schulden abbauen und setzt den Rotstift bei den Krankenhäusern an.

Ab Ende Juli werden zehn Prozent der gesamten Gesundheitszentren in der Region den Sommer über komplett geschlossen. Weitere 20 Prozent werden nur noch vormittags Patienten behandeln. Die Generalitat, die katalanische Regionalregierung, rechtfertigte die Schließung mit der in der Ferienzeit generell sinkenden Patientenzahl.

Die Gewerkschaften befürchten jedoch, dass die meisten der vorübergehend geschlossenen Gesundheitszentren auch nach dem Sommer nicht wieder öffnen werden.

Proteste gegen die Schließungen

"Die Generalitat hat uns bestätigt, in Zukunft generell auf 50 Prozent der Gesundheitszentren verzichten zu wollen", erklärt Carme Navarro, Gesundheitsbeauftragte der spanischen Gewerkschaft CC OO. Kataloniens Ministerpräsident Artur Mas kündigte tatsächlich Sparpläne von insgesamt einer Milliarden Euro im Gesundheitswesen an.

Unterdessen kam es in mehreren Küstenstädten entlang der Costa Brava sowie in Dörfern im katalanischen Hinterland bereits zu Protesten von Rathäusern und auch der Anwohnern, deren Gesundheitszentren geschlossen wurden und die nun teilweise über 25 Kilometer in die nächst größere Ortschaft fahren müssen, um ärztlich behandelt zu werden.

Während Patienten sich in Katalonien auf deutlich längere Wartezeiten einstellen müssen, befürchten die Gewerkschaften, dass es nach dem Sommer im Gesundheitswesen zu Massenentlassungen von Krankenhauspersonal kommen wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »