Ärzte Zeitung online, 18.09.2011

Griechen in der Krise: Arznei-Stopp für Hellas

Die Schuldenkrise in Griechenland spitzt sich zu: Politiker diskutieren die Insolvenz und drohen mit Zwangsmaßnahmen. Vom Strudel erfasst werden nun auch Hellas‘ Kliniken: Pharmafirmen stoppen ihre Lieferungen - weil die Griechen ihre Rechnungen nicht zahlen.

Finanzkrise: Arznei-Stopp für Griechenland

Streik gegen Sparmaßnahmen im griechischen Gesundheitswesen: Viele Kliniken können ihre Rechnungen nicht bezahlen.

© Xinhua / imago

BASEL (nös). Die griechische Finanzkrise wirkt sich offenbar zunehmend auch auf das Gesundheitswesen aus. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat der Arzneimittelhersteller Roche die Lieferung diverser Medikamente an öffentliche Krankenhäuser gestoppt.

Der Grund: Die Kliniken zahlen ihre Rechnungen für die Medikamente nicht. Betroffen seien von Roche vor allem Präparate etwa für Krebstherapien.

Unternehmenschef Severin Schwan beklagte, dass manche Kliniken seit drei oder vier Jahren ihre Rechnungen nicht bezahlt hätten. "Es kommt der Punkt, ab dem das Geschäft nicht tragbar mehr ist."

Laut Schwan sollen Patienten durch den jetzigen Schritt jedoch nicht benachteiligt werden. Vielmehr werde Roche seine Lieferungen an Apotheken verstärken, die zuverlässiger zahlten.

Patienten könnten die Arzneien dann auf Rezept in der Apotheke erhalten und sich je nach Darreichungsform - etwa bei Infusionen oder Zytostatika - in der Klinik verabreichen lassen.

Schlechte Zahlungsmoral keine Ausnahme?

Unbezahlte Rechnungen sind in griechischen Kliniken offenbar kein Einzelfall. Vor allem die öffentlichen Häuser stehen mit über 1,2 Milliarden Euro bei Arzneimittelherstellern in der Kreide.

Von knapp zwei Milliarden Euro Einkaufsvolumen, das von Januar 2010 bis Ende Juni dieses Jahres aufgelaufen ist, seien erst 37 Prozent bezahlt, heißt es in einem Bericht des griechischen Pharmaverbands SFEE.

Auch die Kliniken des staatlichen Sozialversicherers IKA nehmen es mit der Zahlungsmoral nicht so genau: Rund 300 Millionen der gesamten Außenstände gehen allein auf ihr Konto.

Das Militär lässt die Rechnungen ebenfalls liegen: Gerade einmal rund 16 Prozent ihrer Bestellungen haben sie bezahlt. Die beste Zahlungsmoral haben dem SFEE-Bericht zufolge die Krankenhäuser im staatlichen Justizsystem, darunter etwa Gefängniskliniken.

Schulden auch bei deutschen Arzneiherstellern

Und auch bei deutschen Pharmaunternehmen haben die griechischen Kliniken mittlerweile erhebliche Rückstände angehäuft.

Der "Spiegel" hatte Ende Juli unter Berufung auf den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) von 1,2 Milliarden Euro Außenständen berichtet.

"Entgegen der Aussagen von griechischer Seite haben die griechischen Krankenhäuser trotz der Preissenkungen im Jahr 2010 bisher nur einen Teil der Außenstände für Arzneimittel bezahlt", klagte damals ein Verbandssprecher.

Ob die Griechen ihre Außenstände schnell tilgen können werden, ist allerdings fraglich. Derzeit diskutieren europäische Politiker und Ökonomen über mögliche "Exit-Strategien" aus der Schuldenkrise.

Als mögliche Szenarien werden zunehmend auch die Staatsinsolvenz und der Ausstieg aus dem Euro-Raum ins Gespräch gebracht.

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