Ärzte Zeitung online, 04.10.2011

UNICEF-Chef warnt vor Massensterben von Kindern in Ostafrika

BERLIN (dpa). Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hat vor einem weiteren Massensterben von mehreren zehntausend Kindern in Ostafrika gewarnt. "Am Horn von Afrika leiden derzeit Hunderttausende Kinder an akuter Mangelernährung", sagte Unicef-Chef Anthony Lake in Berlin.

"Das bedeutet, dass sie innerhalb der nächsten Wochen sterben können, wenn keine Hilfe kommt." Lake sprach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa von der "schlimmsten humanitären Katastrophe, die sich auf der Welt derzeit ereignet".

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind von der Hungersnot in Ostafrika derzeit mehr als 13 Millionen Menschen betroffen, darunter viele Millionen Kinder. Allein in Somalia sind 450.000 Kinder akut mangelernährt, davon 200.000 in lebensbedrohlichem Zustand.

Mehrere zehntausend Menschen starben in den vergangenen Monaten bereits. Vermutlich war jedes zweite Opfer ein Kind. Befürchtet wird, dass sich die Lage weiter verschlimmert.

"Wir stehen unter einem enormen Zeitdruck, die Kinder mit Nahrungsmitteln zu versorgen", sagte Lake der dpa. "Vor allem in Regenzeiten wie jetzt breiten sich Infektionskrankheiten wie Masern und Cholera aus. Masern werden in solchen Krisen für Kinder zu einem der schlimmsten Killer."

Der UNICEF-Exekutivdirektor war einst Sicherheitsberater von US-Präsident Bill Clinton. Das Kinderhilfswerk leitet er seit Mai vergangenen Jahres.

Lake warb zugleich um weitere Spenden. "Unsere Sorge ist, dass die Aufmerksamkeit, die es noch vor einigen Monaten für die Lage am Horn von Afrika gab, mittlerweile verschwunden ist. Aber dort leiden immer noch so viele Leute, dass man das nicht einfach vergessen darf."

Gerade Kinder könnten auch noch an der Schwelle zum Tod gerettet werden, wenn sie rechtzeitig behandelt werden.

Das UN-Kinderhilfswerk unterstützt derzeit 800 sogenannte Ernährungszentren in Somalia, in denen etwa 35.000 schwer mangelernährte Kinder behandelt werden. Darüber hinaus setzt Unicef auch mobile Zeltküchen ein.

Zudem werden Nahrungsmittel wie zum Beispiel eine Mais-Soja-Mischung, Öl oder Hülsenfrüchte verteilt. Die Dürre in Ostafrika gilt als die schlimmste in den vergangenen 60 Jahren.

Spendenkonto Unicef Deutschland: Konto 300 000, BLZ 370 205 00, Bank für Sozialwirtschaft Köln

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