Ärzte Zeitung, 16.10.2011

Deutsch-Polnische Ärztefreundschaft: Austausch ohne Grenzen

Die Sorgen der Ärzte in Deutschland und Polen sind oft ähnlich. Zu einem Erfahrungsaustausch trafen sich Kollegen aus beiden Ländern bei einem Symposium.

Von Thomas Trappe

Erfahrungsaustausch über Grenzen hinweg

Offene Grenzen ab 2013: Ein EU-weiter Gesundheitstourismus hat auch für Polen und Deutschland Folgen.

© Lebie / imago

DRESDEN. Im Gesundheitssektor wird es an der deutsch-polnischen Grenze in den kommenden Jahren wesentlich mehr Mobilität geben als bisher. Davon geht die sächsische Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU) aus, wie sie bei dem jüngst stattgefundenen fünften Deutsch-Polnischen Symposium in Polen deutlich machte.

"Diesem Wettbewerb müssen sich alle stellen"

So werden sich mehr Patienten auf der anderen Seite der Grenze behandeln lassen und Anbieter von Gesundheitsdiensten im benachbarten Ausland aktiver werden, prognostizierte Clauß. "Diesem Wettbewerb müssen sich alle stellen, auch die Leistungserbringer im Gesundheitssystem."

Seit 2001 wird das Symposium alle zwei Jahre organisiert. In diesem Jahr waren an der Organisation neben der sächsischen und der niederschlesischen Ärztekammer auch das erste Mal die oberschlesische und die deutsche Bundesärztekammer beteiligt.

Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland "elementar", so der BÄK-Präsident

Das sei sinnvoll, so der Präsident der niederschlesischen Kammer, Dr. Igor Checinski, da die grenzüberschreitende Gesundheitspolitik auch in Oberschlesien große Bedeutung habe. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, machte zudem in einem Grußwort deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland für die deutsche Ärzteschaft insgesamt "elementar" sei.

Ministerin Christine Clauß verwies in ihrer Ansprache darauf, dass es EU-Bürgern ab 2013 möglich ist, sich ohne Hürden im EU-Ausland behandeln zu lassen. Clauß deutete an, dass sich der Druck auf den Gesundheitssektor auf deutscher Seite dadurch verstärken könnte.

So seien osteuropäische Rehabilitations- und Kureinrichtungen "zum Teil 50 Prozent günstiger als in Deutschland". Meist stellten sich grenznahe Einrichtungen mit deutschsprachigem Personal auf den Patiententourismus ein.

"Projekt im Bereich der Suchtprävention"

Allerdings gebe es durch den Abbau der Grenzen auch Möglichkeiten für deutsche Gesundheitsanbieter. Diese hätten "auch die Chance, ihre Vorzüge anzubieten, zum Beispiel die Qualität der Dienste und geringe Wartezeiten". Insbesondere für Ärzte aus der Oberlausitz, "die besonders an den Folgen der demografischen Entwicklung zu tragen haben, eröffnen sich neue Perspektiven".

Die Ministerin kündigte an, dass die Zusammenarbeit mit den polnischen Amtskollegen intensiviert werden soll. So sei geplant, mit dem Marschallamt Niederschlesien demnächst ein "Projekt im Bereich der Suchtprävention" zu erarbeiten.

Außerdem soll nach dem Vorbild einer tschechisch-sächsischen Kooperation die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der schlesischen Lebensmittelsicherheitsbehörde intensiviert werden. Auch der Erfahrungsaustausch im Bereich der psychiatrischen Versorgung werde wichtiger.

Ärzte auf beiden Seiten haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen

Während die Ministerin also vorrangig auf die Chancen sächsisch-schlesischer Zusammenarbeit verwies, machte der Präsident der sächsischen Ärztekammer, Professor Jan Schulze, deutlich, dass eine Fortsetzung der Deutsch-Polnischen Symposien aus einem anderen Grund dringend geboten sei.

Ärzte auf beiden Seiten haben "oft mit den gleichen Problemen zu kämpfen". Beispiele seien die ausreichende Finanzierung der Kassen und die zunehmende Privatisierung von Kliniken, die Ärzten in beiden Ländern Sorge bereiteten.

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