Ärzte Zeitung, 17.01.2012

Kommentar

Irritierender Appell

Von Arndt Striegler

Der Chef der britischen Arznei-Evaluierungsbehörde NICE fordert Patienten auf, ihr Krankenhaus zu verklagen, sollten sie sich pharmazeutisch nicht gut versorgt sehen. So etwas hat es in der britischen Gesundheitspolitik noch nie gegeben.

Tatsache ist, dass Großbritannien als Folge der Wirtschaftskrise tiefe Einschnitte in sein staatliches Gesundheitswesen erlebt. Gekürzt wird überall. Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Regierungschef Cameron will Schulden abbauen.

Das NICE genießt seit Jahren den Ruf, Zulassungen neuer Arzneien sowie die Einführung neuer Therapien zu behindern. Da ist ein solcher Appell des NICE-Chefs verblüffend. Eines hat der NICE-Chef aber erreicht: NICE, jenes bisher diskret im Hintergrund arbeitende Expertengremium, steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses.

Es wäre erfreulich, wenn der NICE-Chef künftig seine einflussreiche Stellung auch anderweitig nutzen würde.

Er könnte zum Beispiel dafür werben, dass jeder Patient im Königreich die Arzneitherapie erhält, die er benötigt und keine Therapie, die ihm seine finanziell mehr oder weniger gebeutelte regionale Gesundheitsverwaltung zugesteht. Auch ohne dass er dafür vor Gericht ziehen muss.

Lesen Sie dazu auch:
NICE-Chef rät britischen Patienten: Verklagt die Klinik!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

KBV und Psychotherapeuten kritisieren Honorarbeschluss

BERLIN. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am Mittwochnachmittag gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss zur Vergütung der neuen psychotherapeutischen Leistungen gefasst. mehr »