Ärzte Zeitung, 19.01.2012

DKMS mit spanischen Behörden über Kreuz

Spanien will die Deutsche Knochenmarkspende-Datei (DKMS) nicht - und hat ihr jüngst das Anwerben von Spendern verboten. Jetzt erhebt die DKMS heftige Vorwürfe gegen die Behörden: Rechtswillkür und Verunsicherung zugunsten eines "schlechten Systems".

DKMS mit Spaniens Gesundheitsbehörden über Kreuz

DKMS-Gründer Ehninger: Ein schlechtes Monopol.

© Arno Burgi / dpa

MADRID (mame). Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wehrt sich gegen das Verbot, auch in Spanien tätig werden zu können.

Die staatliche Transplantations-Organisation (ONT) hatte der DKMS vorerst untersagt, in Spanien zu Spenden von Knochenmark aufzurufen, da die deutsche Stiftung nicht über die vorgeschriebenen Genehmigungen verfüge und damit "illegal" handle.

DKMS-Gründer Professor Gerhard Ehninger weist diese Anschuldigungen vehement zurück.

"Laut unserer Anwälte haben wir nicht gegen spanisches Recht gehandelt", sagte Ehninger am Donnerstag im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" in Madrid.

Er wisse nicht, ob die ONT rechtliche Schritte gegen die DKMS-Spendenaufrufe unternommen habe. Allerdings werde die DKMS ihrerseits in der kommenden Woche gegen die ONT Anzeige wegen "übler Nachrede" einreichen.

Gegen Leukämie, nicht gegen die DKMS kämpfen

Ehninger zeigte sich "enttäuscht und überrascht" über das "aggressive" Vorgehen der ONT. "Wir sind hier, um zu helfen. Spanien sollte gegen die Leukämie, nicht gegen uns kämpfen."

Die DKMS ist mit 2,6 Millionen potenziellen Spendern heute die größte Knochenmarkspenderdatei weltweit, die allein im vergangenen Jahr 4700 Leukämie-Patienten eine Stammzellenspende vermitteln konnte.

Vor allem das international große Netz an potenziellen Spendern könne die Situation vieler Leukämiekranker auch in Spanien verbessern, wo das staatlich sehr streng kontrollierte Stammzellenspendesystem offensichtlich "nicht optimal" funktioniere.

So habe es 2010 in Spanien 768 Suchanfragen für spanische Patienten gegeben. Jedoch wurden nur 477 Spender gefunden, zitierte Ehninger Zahlen des spanischen Spenderregisters REDMO.

In Spanien werden Stammzellenspender bislang von der José Carreras-Stiftung angeworben und typisiert, die vertraglich mit dem Gesundheitsministerium sowie den Regionalregierungen zusammenarbeitet.

Keine gesetzlichen Beschränkungen

Es existierten keine gesetzlichen Vorschriften, die die Anzahl von Spenderdateien beschränken, so Ehninger. Er kritisierte, dass durch ein staatliches Monopol ein System geschützt werde, das schlecht funktioniere.

Persönlich habe er die ONT sowie Spaniens Gesundheitsministerin Ana Mato kontaktiert, um alle rechtlichen Fragen für eine Tätigkeit in Spanien zu klären.

Bisher habe er allerdings von niemanden eine Antwort erhalten, noch wurde ihm erklärt, warum die DKMS angeblich "illegal" gehandelt haben soll.

Behauptungen von ONT-Chef Rafael Matesanz, Spendenaufrufe der DKMS gefährdeten das auf Solidarität basierende spanische Transplantationsmodell, wies Ehninger als falsch zurück.

Er kritisierte die staatlichen Gesundheitsbehörden, die Patienten mit der Warnung verunsicherten, sie könnten ihre Gesundheitsversicherung verlieren, sollten sie mit der DKMS kooperieren.

[20.01.2012, 14:32:26]
Prof. Dr. Gerhard Ehninger 
Einfache Antwort
Lieber Kollege,
wir bewundern das spanische Organtransplantations-System. Wir können viel davon lernen.
Im Beitrag geht es aber um freiwillige Spender für die unverwandte Blutstammzelltransplantation. Und da hat Spanien ein Problem. 75% der Transplantate kommen aus dem Ausland. Und viele Spanier finden keinen Spender, weil die HLA-Muster eine andere Ausprägung haben. Man kann nur Abhilfe schaffen, wenn die spanische Dateien vergrößert werden. Dabei versagt aber die Carreras-Stiftung (heutiger Beitrag in einer spanischen Zeitung: 655 Personen warten seit einem Jahr, weil kein Geld überwiesen wird!). Man lässt uns aber nicht. Lieber ändert Herr Matesanz die Gesetze, um unsere Arbeit zu verbieten als einzuräumen, dass man auch von uns lernen kann. Herzlichen Gruß Gerhard Ehninger  zum Beitrag »
[20.01.2012, 10:24:26]
Dr. Maricruz Gómez Pellín 
Unglaubliche Falschmeldung!
Spaniens Spendersystem funktioniert schlecht??? Die DKMS ist die größte Knochenmarkspenderdatei weltweit??? Setzen Sie sich bitte seriöser mit dem Thema auseinander!

Spanien hat eines der besten Transplantationsmodelle Europas, wie auch klar aus der Statistik hervorgeht. Kaum ein Land hat mehr Spender. Und Spanien ist nicht das einzige Land, das mit den Methoden der DKMS so seine Probleme hat. Recherchieren Sie mal, was man in Frankreich darüber denkt.

Wenn die DKMS wirklich Leukämie-Patienten helfen möchte, soll sie bitte in Länder gehen, wo es kein Knochenmarkspender-Register gibt. (Aber dort lässt sich wahrscheinlich kein Geld machen...)

MFG
Dr. Gómez Pellín
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »