Ärzte Zeitung, 10.07.2012

Kommentar zur Finanzkrise

Kein Immunschutz für die Medizin

Von Helmut Laschet

Nein, die Medizin ist keine krisensichere Branche! Das erleben seit zwei Jahren Länder wie Griechenland, Island, Irland und Estland auf schmerzhafte Weise. All diese Länder haben bis 2009 jedes Jahr im Schnitt zwischen sechs und acht Prozent real mehr für Gesundheit ausgegeben, zum Teil auf Pump, zum Teil auf ökonomische Blasen vertrauend.

Die Blasen und die Kreditwürdigkeit dieser Länder sind geplatzt. Mit ein bis zwei Jahren Verzögerung - das ist diejenige Zeit, die staatliche Administrationen üblicherweise in komplexen Systemen für eine Reaktion benötigen - folgt die Vollbremsung bei den Ausgaben für medizinische Leistungen. Nicht der objektive Bedarf ist ausschlaggebend, sondern die Zahlungsfähigkeit der Volkswirtschaft.

Deutschland hat sich, basierend auf den unbeliebten Sozialreformen seit 2003, eine Sonderposition erarbeitet. Alle Sozialversicherungssysteme haben derzeit Liquiditätspolster. Allein im Krankenversicherungssystem ist eine Reserve von rund 20 Milliarden Euro vorhanden.

Das macht die deutsche Volkswirtschaft freilich nicht immun gegen die Infektionsgefahren aus dem Ausland. Die aktuell robuste Konstitution ist nur ein gradueller Schutz gegen künftige Rezessionen.

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Finanzkrise erreicht die Medizin

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