Ärzte Zeitung online, 11.07.2012

Kein Propofol mehr für US-Hinrichtungen

Propofol für die Giftspritze: Weil den USA für die letale Injektion die Arzneien ausgehen, sollen Todeskandidaten jetzt mit dem Anästhetikum hingerichtet werden. Den Briten ist deswegen der Kragen geplatzt - sie wollen jetzt einen Exportbann verhängen.

Kein Propofol mehr für US-Hinrichtungen

Anästhetikum: Großbritannien will schärfere Exportbestimmungen für Propofol.

© Milestone Media / imago

LONDON (nös). Die Luft wird dünner für die USA: Wegen großer Lieferengpässe bei Arzneimitteln müssen immer wieder Hinrichtungen verschoben werden.

Und auch im Ausland stoßen die Amerikaner mit ihren Einkaufslisten zunehmend auf Widerstand. Jetzt will Großbritannien sogar den Export von Propofol verbieten.

Nachdem im Dezember vergangenen Jahres die EU-Kommission bereits den Export von Barbituraten verboten hatte, suchen die US-Bundesstaaten nach neuen Alternativen für die Giftspritze.

In Missouri war man fündig geworden: Künftig sollen die Delinquenten dort mit dem Anästhetikum Propofol hingerichtet werden.

Doch auch bei diesem Präparat gibt es ein Problem: Viele Hersteller in den USA melden Lieferprobleme. Die Bundesstaaten gehen deshalb auf Einkaufstour in Europa. Einer der großen Anbieter ist das deutsche Unternehmen Fresenius Kabi.

Nachdem die US-Pläne vor etlichen Wochen bekannt geworden waren, regte sich heftiger Protest. Vor allem Menschenrechtsorganisationen gingen auf die Barrikaden.

Auch die britische Ärzteorganisation BMA (British Medical Association) verurteilte die Hinrichtungen und forderte ein Exportstopp von Arzneien zum Einsatz als letale Injektion.

Nun ist Großbritannien vorgeprescht. Handelsminister Vince Cable hat am Mittwoch in London angekündigt, die Exportbeschränkungen auf Propofol zu erweitern. Künftig soll das Anästhetikum nur noch an "legitimierte Endnutzer" geliefert werden, womit er Kliniken und Ärzte meint.

"Wir werden ein Verfahren schaffen, ... mit dem wir direkte Lieferungen an Justizvollzugsanstalten in den USA und Lieferungen mit unklarem Risiko verhindern", schreibt Cable in einem Brief an die Nichtregierungsorganisation Reprieve, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Er hat außerdem angekündigt, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, die Anti-Folter-Verordnung um Propofol zu erweitern.

Mehr am Donnerstag auf www.aerztezeitung.de

[11.07.2012, 17:28:27]
Steffen Jurisch 
wurde Zeit…,
das sich Menschen und Politiker finden, die sich gegen die Machenschaften der USA auflehnen - wenn es mehr werden können wir ihnen vielleicht noch das Handwerk legen - damit bald Frieden ist auf der Welt. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »