Nur dadurch, dass Nichtraucher zum Rauchen verleitet werden , kann die Tabakwirtschaft ihre Umsätze halten oder gar ausbauen. Die Ausgaben für Werbung sind direkt mit den Einnahmen durch Verkäufe verknüpft. Dies haben die Weltgesundheitsorganisation, das US-amerikanische Gesundheitsministerium und das Medizininstitut der Vereinigten Staaten nachgewiesen.
Viele Studien zeigen, dass ein Verbot der Tabakwerbung auf wenigen Gebieten (z.B. im Fernsehen) keine Auswirkung auf den Tabakverbrauch hat. Nur ein komplettes Verbot der Tabakwerbung einschließlich des Sponsorings von Sportveranstaltungen hat Erfolg.
Ein erstes Gesetz zur Änderung des Vorläufigen Tabakgesetzes in Deutschland wurde am 9.11.2006 beschlossen. Bis dahin war die Werbung lediglich in Hörfunk und Fernsehen für Tabakwaren untersagt. Nun ist es verboten, für Tabakerzeugnisse in gedruckten Medien, Fernsehen, Radio oder im Internet zu werben. Unternehmen, deren Haupttätigkeit Herstellung oder Verkauf von Tabakerzeugnissen ist, dürfen zudem keine Veranstaltungen und Events sponsern, die grenzüberschreitende Wirkung haben.
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In der TABAKWERBUNG stehen fünf Themen im Vordergrund:
UNABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT: Der Marlboro-Mann reitet reitet durch die weite Landschaft, der Camel-Mann schlägt sich allein durch den Urwald. Immer dabei: die Zigarette. Die Werbung suggeriert, dass Freiheit, Abenteuer und Unabhängigkeit - alles Themen, die für Jugendliche besonders interessant sind - und Zigaretten zusammengehören. In Wirklichkeit bedeutet Rauchen das genaue Gegenteil: Abhängigkeit!
RAUCHEN ALS "ERWACHSENES" VERHALTEN: Eine besonders raffinierte Werbekampagne vor einigen Jahren stand unter dem Motto „Cool Kids can wait.“ Vordergründig darauf angelegt, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, stellte sie das Rauchen als erwachsenes Verhalten dar. Da Jugendliche nichts lieber wollen, als endlich erwachsen zu sein, war dies ein besonders hinterhältiger Schachzug.
RAUCHEN ALS "SOZIALES" VERHALTEN: In der Werbung sitzen Raucher oft in fröhlicher Runde zusammen oder unternehmen gemeinsam etwas. Hier wird Rauchen also als Voraussetzung dargestellt, „dazuzugehören". Jugendliche - mit ihrem ausgeprägten Drang nach Anerkennung in der Gruppe - bekommen so den Eindruck, Rauchen verbessere ihre Chance darauf, in eine Clique aufgenommen zu werden.
RAUCHEN ALS "NORMALES" VERHALTEN: In der Werbung zünden sich die Schauspieler bei alltäglichen, entspannten Handlungen wie der Kaffeepause eine Zigarette an. Der gewünschte Eindruck: Rauchen ist Teil des Alltags, bietet Genuss und Entspannung. Dass in Wirklichkeit die meisten Erwachsenen Nichtraucher sind und sich auch ohne Tabak entspannen können, wird bewusst ausgeblendet. Tatsächlich überschätzen Jugendliche den Anteil der Raucher in der Bevölkerung um das Zwei- bis Dreifache.
RAUCHEN UND GESUNDHEIT: Die Werbung zeigt kühne Abenteurer in unberührter Natur. Und natürlich zeigt sie nur gesunde Menschen. Wörter wie „mild", „leicht", „rein" oder „frisch" sollen wohltuende Wirkungen suggerieren. Jeder weiß, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist – aber die Werbung tut alles, um das Rauchen in den Köpfen der Menschen mit schönen Bildern zu verknüpfen. Der hustende, nach Rauch stinkende Arbeitskollege soll so in unserem Gedächtnis verblassen.
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Bei allen Diskussionen um die Tabakwerbung geht es stets um folgende Fragen: Was soll die Werbung bewirken und welche Auswirkungen hätte ein Werbeverbot?
Die Zigarettenindustrie behauptet, ihre Werbung solle nur Raucher zum Umstieg von einer Zigarettenmarke auf die andere veranlassen. Auf keinen Fall sollten Nichtraucher oder gar Jugendliche zum Rauchen animiert werden.
Das ist offensichtlich eine Schutzbehauptung: der Anteil der Markenwechsler bei Rauchern ist sehr klein. Er liegt unter 10 Prozent (Quelle: www.dkfz.de, Factsheet Tabakwerbeverbot). Überdies sind darin schon diejenigen Raucher enthalten, die aus Sorge um ihre Gesundheit von „Standard"- auf „Light"-Zigaretten umsteigen. Zigaretten sind nicht wie Waschmittel, die bereits in allen Haushalten verwendet werden. In diesem sogenannten „gesättigten" Markt dient die Werbung tatsächlich nur dazu, den eigenen Marktanteil auszubauen.
Zigaretten aber sind unbestritten gesundheitsschädlich und führen langfristig bei der Hälfte ihrer Konsumenten zum vorzeitigen Tod. Täglich hören Menschen auf zu rauchen (in den USA jeden Tag 3.500); weitere sterben an den Folgen des Rauchens (täglich 1.200 in den USA). Ohne Nachschub würde also der Markt für Zigaretten dort jeden Tag um 4.700 bzw. jährlich um 1,7 Millionen Verbraucher kleiner. Um den Markt stabil zu halten, müssen entsprechend viele Nichtraucher zum Rauchen verleitet werden. Und das gelingt zu über 80% nur bei Kindern und Jugendlichen!
Quelle: DKFZ, Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle: Gesundheit fördern-Tabakkonsum verringern: Handlungsempfehlungen für eine wirksame Tabakkontrollpolitik in Deutschland, 2002.
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