Sonntag, 31. August 2014
Ärzte Zeitung, 22.01.2013

EU-Richtlinie

Rezepte werden europäischer

Die Hälfte der in einem EU-Land ausgestellten Rezepte wird derzeit in einem anderen Mitgliedsstaat nicht anerkannt. Das soll sich ändern.

BRÜSSEL. Mit einer neuen Richtlinie will die Europäische Kommission die Anerkennung von in anderen Mitgliedstaaten ausgestellten Rezepten innerhalb Europas verbessern und die Feststellung der Echtheit erleichtern. Die Richtlinie muss bis zum 25. Oktober in nationales Recht umgesetzt werden.

Quantitativ ist die Neuregelung von geringer Bedeutung. Laut EU werden etwa 2,3 Millionen Rezepte pro Jahr im Ausland vorgestellt, das sind weniger als 0,04 Prozent aller Verschreibungen in der EU.

Für den einzelnen Patienten stellt dies jedoch eine erhebliche Verbesserung der Versorgungs- und damit Lebensqualität dar, beispielsweise wenn chronisch Kranke ins Ausland reisen oder wenn sie in Grenzregionen leben und Spezialisten im Nachbarland aufsuchen.

Die EU schätzt, dass infolge der geplanten Neuregelungen künftig etwa 200.000 Rezepte pro Jahr mehr ausgestellt werden. Sie erwartet dadurch Einsparungen aufgrund reduzierter Wartezeiten und Behandlungskontinuität.

Derzeit wird etwa die Hälfte der Verschreibungen nicht anerkannt. Die neue Richtlinie soll dies ändern. Für Auslandsverschreibungen sind "einheitlich beschreibende Elemente" für die verordnende Person, den Patienten und das verschriebene Produkt vorgesehen.

Der Arzt hat jedoch die Möglichkeit, Ergänzungen "nach örtlicher Gepflogenheit" vorzunehmen. Wichtig für Ärzte: Die neuen Anforderungen gelten nur, wenn der Patient eine Auslandsverschreibung verlangt, ansonsten gelten weiter die nationalen Rezepte.

Tonio Borg, EU Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, sieht die neue Richtlinie als einen weiteren Beitrag zur Verbesserung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung.

Damit werde sichergestellt, dass die Patienten "auch tatsächlich die Produkte bekommen, die ihnen verschrieben wurden." (awes)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

BDI-Chef Wesiack im Interview: "Das Honorar-Ergebnis ist eine große Enttäuschung"

In Sachen Honorar blickt Internisten-Präsident Wesiack wenig optimistisch in die Zukunft. Den jüngsten Abschluss bezeichnet er im Interview als Enttäuschung. Auch bei der GOÄ sieht er schwarz - und übt deutliche Kritik an der BÄK. mehr »

Honorar-Ergebnis: Gassen ist zufrieden

Ärztevertreter und Ärzte kritisieren die KBV für den Honorar-Abschluss scharf. KBV-Chef Gassen zeigt sich hingegen zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis - und spricht von einem Honorarplus von 850 Millionen Euro. mehr »

Psychosomatische Medizin: Vertrauensperson Hausarzt

Viele Menschen in Deutschland haben psychosomatische Störungen. Erkannt werden diese aber oft zu spät. Experten sind überzeugt: Den Schlüssel zu Verbesserungen in der Versorgung tragen die Hausärzte. mehr »