Ärzte Zeitung, 17.04.2013

Frankreich

Schönheitschirurg im freien Fall

Er war Arzt und französischer Haushaltsminister. Jetzt steht Dr. Jérôme Cahuzac vor dem Scherbenhaufen seines Lebens.

Von Denis Durand de Bousingen

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Leugnete lange die Existenz eines Auslandskontos: Ex-Budgetminister Jérôme Cahuzac.

© dpa

PARIS. Als er im Juni 2012 zum Haushaltsminister ernannt wurde, hatte der Schönheitschirurg Dr. Jérôme Cahuzac (60) den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht.

30 Jahre vorher hatte er in Südwestfrankreich erste Erfahrungen als Lokalpolitiker gemacht, danach Medizin studiert und als Chirurg gearbeitet.

Bevor ihm der Sprung in die Spitzenpolitik gelang, hatte er nicht nur mit seiner damaligen Frau eine erfolgreiche schönheitschirurgische Praxis betrieben. Cahuzac war auch als Berater der Pharmaindustrie tätig gewesen.

Als er 1997 Abgeordneter für die Sozialisten in der Nationalversammlung wurde, galt er als reicher Mann. Als Minister wollte Cahuzac den Kampf gegen Steuerhinterziehung verschärfen.

Jetzt wird er selbst wegen Geldwäscherei und Steuerhinterziehung angeklagt. Lange hatte er die Existenz eines nicht deklarierten Kontos im Ausland bestritten, schließlich sagte er doch die Wahrheit.

Verfechter von Austerität

Einen Teil der 600.000 Euro, die er auf seinem Konto in der Schweiz gelagert hat, soll er als Lobbyist verdient haben. Bereits 1988 bis 1991 war Cahuzac im damals vom Sozialisten Claude Evin geleiteten Gesundheitsministerium für die Festlegung der Arzneimittelpreise zuständig.

Danach gründete er eine Beratungsfirma, die bis 1997 mit Pharmaherstellern zusammenarbeitete. Die Justiz ermittelt jetzt die Beziehungen zwischen seiner Lobbyarbeit und seiner früheren Tätigkeit im Ministerium, eventuelle Bestechungen wären heute verjährt.

Cahuzac ist nicht der erste Arzt, dessen politische Karriere nach einem Skandal ruiniert wurde. Die französische Ärztekammer hat inzwischen beschlossen, ein Verfahren gegen ihn einzuleiten.

Er habe dem Ruf der Ärzteschaft geschadet  und möglicherweise unerlaubte Geschenke und Geld von der Industrie akzeptiert. Zusätzlich zur Haftstrafe droht ihm ein Berufsverbot.

Inzwischen gibt es neue Spekulationen über die wahren Gründe, die zum Sturz des früheren Haushaltsministers geführt haben: Französische Militärs könnten Cahuzac demontiert haben - in Sorge vor drohenden Haushaltskürzungen.

Cahuzac hatte als Verfechter einer rigorosen Sparpolitik auch Kürzungen beim Militär auf seiner politischen Agenda.

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