Ärzte Zeitung online, 21.10.2013

Großbritannien

"Gesundheitspolizei" soll Klinik-Missstände aufspüren

Sie überprüfen, ob in britischen Krankenhäusern ordentlich gearbeitet wird: Die Mitglieder der Care Quality Commission sollen in Zukunft ohne Maulkorb ihren Job machen können. Minister haben dann keine Chance mehr, Defizite unter den Teppich zu kehren.

Von Arndt Striegler

"Gesundheitspolizei" soll Klinik-Missstände aufspüren

In Großbritannien soll 2014 eine Art Gesundheitspolizei ihren Dienst aufnehmen.

© samott / fotolia.com

LONDON. Missstände im britischen Gesundheitswesen werden nach Meinung britischer Ärzteverbände zu oft von Politikern vertuscht. Damit soll schon bald Schluss sein.

Eine neue "Gesundheitspolizei" wird nach Angaben der Regierung Cameron ab 2014 dafür sorgen, dass schlampig arbeitende Kliniken und Arztpraxen zur Rechenschaft gezogen werden.

Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) vorgekommen, dass Krankenhäuser oft über Jahre hinweg schlecht gearbeitet haben, dies allerdings nie aufgedeckt wurde.

Zwar existiert im Königreich eine NHS-Aufsichtsbehörde, die die Versorgungsqualität von Kliniken und Arztpraxen kritisch überprüfen soll. Die Organisation heißt "Care Quality Commission" (CQC).

Einfluss des Ministers wird beschnitten

Freilich: bislang kann die CQC nicht unabhängig arbeiten, sondern sie unterliegt mehr oder weniger direkt dem Londoner Gesundheitsministerium. Folge: Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass der amtierende Gesundheitsminister bestimmte Informationen unterdrückte.

Das geschah nach Aussage gesundheitspolitischer Experten zum Beispiel oftmals im Vorfeld von Unterhauswahlen.

Die CQC wollte Missstände im stationären oder ambulanten Sektor öffentlich anprangern, wurde aber vom Gesundheitsminister daran gehindert, weil dieser Stimmen- und Ansehensverluste befürchtete.

"Damit ist bald Schluss", so Gesundheitsminister Jeremy Hunt kürzlich vor Journalisten in Manchester. "Die CQC wird regierungsunabhängig!"

Laut Hunt werde es Gesundheitspolitikern in Zukunft nicht länger möglich sein, direkten oder indirekten Einfluss auf die Arbeit der Überwachungsorganisation zu nehmen.

Dementsprechende Gesetzesänderungen wurden von der Regierung Cameron bereits in die Wege geleitet.

Ärzteverbände begrüßen Neuerung

Vorbild der Reform ist offenbar die englische Notenbank (Bank of England), die bereits vor einigen Jahren aus der Regierungsabhängigkeit entlassen worden war.

Große britische Ärzteverbände begrüßten die Neuerungen. Der Patientenverband sprach von einer "längst überfälligen Verbesserung" der Qualitätssicherung.

In den vergangenen Jahren waren es meist Kliniken, die für gesundheitspolitische Skandale sorgten. Hausarztpraxen erregten dagegen nur selten negative Aufmerksamkeit.

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