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Ärzte Zeitung online, 24.07.2014

Krise

Ukraine droht Rückschlag bei HIV

Osteuropa ist ein schwarzer Fleck im Kampf gegen HIV und Aids. Die Ukraine war mit moderner Drogenpolitik eine Ausnahme. Nun droht der Rückschlag, mangels Geld. Besonders schlimm ist es auf der Krim.

MELBOURNE. In der Ukraine droht die politische Krise große Fortschritte im Kampf gegen HIV und Aids zunichtezumachen. Besonders prekär sei die Lage auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim, berichtete Andriy Klepikow, Direktor der ukrainischen Aids-Allianz, am Donnerstag bei der 20. internationalen Aids-Konferenz der IAS in Melbourne.

Der irische Rockmusiker Bob Geldof brandmarkte reiche Länder wie etwa Australien, die Gelder für Entwicklungshilfe kürzten. Die IAS sei höchst besorgt über die Lage in Osteuropa und Zentralasien, sagte der designierte Präsident der Organisation, Professor Chris Bryrer. "Es ist die einzige Region neben dem Nahen Osten und Nordafrika, in der die Zahlen steigen."

Probleme seien zu schlechte Versorgung mit Medikamenten, zu wenig Präventionsmaßnahmen, Stigmatisierung der Infizierten und mangelnde Kooperation zwischen Regierungen und Hilfsorganisationen, sagte Michel Kazatchkine, UN-Sonderberichterstatter zu Aids und HIV in der Region. Die Epidemie breite sich vor allem unter Drogennutzern weiter aus, die sich durch den Austausch von gebrauchten Nadeln infizieren.

Die Ukraine hat mit einem Nadelaustausch- und Substitutionsprogramm in den vergangenen Jahren große Erfolge erzielt, berichtete Klepikow. Der Hauptgeldgeber, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, habe die Mittel um 62 Prozent gekürzt, in Erwartung höherer Beiträge der Regierung.

Doch angesichts der gegenwärtigen Krise müsse die Regierung die Mittel ebenfalls um 71 Prozent kürzen. Russland habe die Substitutionsprogramme auf der Krim gestoppt. Mehrere der 800 Betroffenen seien dort gestorben, nur ein paar Dutzend hätten in die Ukraine flüchten können.

Geldof, der 1985 mit dem Live-Aid-Konzert auf eine schreckliche Hungersnot in Äthiopien aufmerksam machte und sich seitdem in der Armutsbekämpfung engagiert, forderte mehr finanzielle Anstrengungen der reichen Länder. "Wir können ein Ende von Aids erreichen. Es ist schändlich, wenn dies auf den letzten Metern nicht finanziert wird." (dpa)

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