Ärzte Zeitung online, 25.07.2014

Gegen Diskriminierung

Aids-Experten wollen "niemanden zurücklassen"

Aids-Experten wollen "niemanden zurücklassen"

Noch immer werden Menschen mit Aids und HIV-Risikogruppen in vielen Ländern diskriminiert. Der Welt-Aids-Kongress hat jetzt ein Zeichen dagegen gesetzt.

MELBOURNE. Die internationale Aids-Gemeinschaft hat sich mit einem starken Appell gegen die Diskriminierung von HIV-Infizierten gestemmt und mit dieser politischen Botschaft ihren 20. internationalen Aids-Kongress in Melbourne beendet.

In der "Melbourne-Deklaration" mit dem Titel "Nobody left behind" bezeichnen die Unterzeichner Gleichbehandlung ("non-discrimination") als fundamental für eine "Antwort auf HIV". Um HIV zu bekämpfen dürfe "niemand kriminalisiert oder diskriminiert werden", schreiben die Autoren der internationalen Aids-Gesellschaft IAS.

Insbesondere Schwule, Prostituierte (Sexarbeiter) und Drogenkonsumenten würden noch immer in vielen Ländern diskriminiert, heißt es in der Erklärung. In über 80 Länder gäbe es "inakzeptable Gesetze", die Menschen etwa aufgrund ihrer sexuellen Orientierung kriminalisierten.

"Wir sind zutiefst besorgt über die anhaltende Durchsetzung von diskriminierenden, stigmatisierenden, kriminalisierenden und schädlichen Gesetzen", schreiben die Autoren des Aufrufs. "Diese Gesetze verstärken das Stigma (Aids, Anm.) und untergraben die Programme gegen HIV."

Die Unterzeichner appellierten vor allem an sämtliche Heilberufe weltweit, sich nicht an der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen oder Risikogruppen zu beteiligen. Sie würden andernfalls ihre ethischen Verpflichtungen verletzen.

Die Unterzeichner fordern unter anderem, dass Regierungen "repressive Gesetze" abschaffen sollen und "intolerante Organisationen" aus HIV-Programmen ausgeschlossen werden. Spenden für Hilfsprojekte dürften keine Restriktionen enthalten, wie etwa das Versprechen, sich nicht zu prostituieren, oder das Verbot, Spritzen zu kaufen.

Der Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, Carsten Schatz, nannte die Deklaration am Freitag ein "starkes politisches Signal". "Diese Botschaft kommt hoffentlich in den Ländern an, die mit Strafverfolgung und Diskriminierung die Menschenrechte brechen und damit die Verbreitung von HIV fördern", sagte er. (nös)

Melbourne-Deklaration auf www.aids2014.org

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