Ärzte Zeitung App, 26.08.2014

Gastbeitrag zum IPPNW-Kongress

Denken des Kalten Krieges überwinden

Wenn die Delegierten der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) in dieser Woche in Kasachstan zusammenkommen, sind die Themen aktueller denn je: keine Waffenlieferungen in Krisengebiete und mehr humanitäre Hilfe!

Von Dr. Axel Rosen

Denken des Kalten Krieges überwinden

Statt Waffen sollten ausschließlich Hilfsgüter an die irakischen Kurden geliefert werden, fordert die IPPNW.

© Cafer Balik / Anadolu Agency/dpa

Der 21. Weltkongress der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) findet vom 27. bis 30. August 2014 in Kasachstan statt -einem Land, das 1995 sein Atomwaffenarsenal freiwillig aufgegeben hat.

Die Krise in der Ukraine zeigt, wie sehr der Ost-West-Konflikt und das Blockdenken unsere politische Gegenwart immer noch im Griff haben und wie wichtig die Arbeit unserer internationalen Ärzteorganisation nach wie vor ist.

1980 wurde die IPPNW von sowjetischen und US-amerikanischen Ärzten gegründet und betrieb über den Eisernen Vorhang hinweg Aufklärungs- und Friedensarbeit. Dafür erhielt unsere Organisation 1985 den Friedensnobelpreis.

Atomare Aufrüstung - weiterhin ein Gedankenspiel

Dr. Axel Rosen

Der Autor ist stellvertretender IPPNW-Vorsitzender in Deutschland. Der Beitrag stellt seine persönliche Meinung dar.

Heute, 25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges, versuchen die atomwaffenfreien Staaten, mit Blick auf die humanitären Folgen von Atomwaffen eine neue Abrüstungs-Dynamik zu erzeugen. 2015 findet die nächste UN-Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags statt, auf der die Atomwaffen-Staaten offenlegen müssen, wie sie ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung zur atomaren Abrüstung nachkommen.

Aktuell modernisieren sie ihre Arsenale jedoch, statt sie zu reduzieren und so besteht auch weiterhin die Gefahr eines absichtlichen oder versehentlichen Einsatzes von Atomwaffen. Auch spielen politische Kräfte in mehreren Ländern mit dem Gedanken, ebenfalls Atomarsenale aufzubauen, jüngst erst in der Ukraine.

Etwa 20 deutsche IPPNW-Ärzte und Medizinstudierende nehmen am IPPNW-Weltkongress in Kasachstan teil, um sich mit Kollegen aus aller Welt über Wege zu Abrüstung und Frieden auszutauschen.

Die Ächtung jegliches Krieges ist neben der Verhütung des Atomkrieges das zentrale Anliegen unserer internationalen Ärzteorganisation. Kontakte zwischen Ärztinnen, Ärzten und Studierenden über Konfliktlinien hinweg - wie wir sie auf unserem Weltkongressen pflegen - sind oft ein erster Schritt zur Verständigung.

Tabubruch Waffenlieferungen

Bei den Debatten wird es auch um den Konflikt zwischen dem "Westen" und Russland, um Krieg zwischen Israel und Palästina sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen im Irak und Syrien gehen. Die deutsche Bundesregierung will Waffen an die Kurden im Nordirak schicken.

 Damit wird Deutschland zur Kriegspartei und verstößt gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz und die "Politischen Grundsätze der Bundesregierung zum Rüstungsexport". Die deutsche Sektion der IPPNW sieht darin einen Tabubruch deutscher Außenpolitik.

Bereits seit Jahren engagiert sich unsere Ärzteorganisation im Rahmen einer internationalen IPPNW-Kampagne gegen den Handel mit sogenannten "Kleinwaffen". Auch auf dem Kongress sind die "Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts" erneut Thema.

Frieden und Freiheit lassen sich nicht durch Waffengewalt erzwingen. Sie sind nicht möglich in Ländern, in denen die massive Einfuhr von tödlichen Waffen politische Strukturen korrumpiert und untergräbt.

Es ist eine Illusion zu glauben, dass durch einen "sauberen Militärschlag" oder durch "gute Waffen" in den "richtigen Händen" Konflikte gelöst werden könnten.

Stattdessen sollten Deutschland und die internationale Gemeinschaft umfassende humanitäre Hilfe leisten für die Versorgung der Hunderttausenden von Flüchtlingen und politische Lösungen des Konflikts fördern.

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