Ärzte Zeitung online, 24.10.2014

"Ärzte ohne Grenzen"

"Wir zeigen, dass man Ebola überleben kann"

Die "Ärzte ohne Grenzen" waren schon sehr früh in Westafrika, um die Ebola-Epidemie zu bekämpfen. Der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion, Dr. Tankred Stöbe, spricht im Interview über Frust der Organisation, Nöte vor Ort und Heilungschancen.

"Wir zeigen, dass Ebola heilbar ist"

Dr. Tankred Stöbe ist Chef der deutschen Sektion von "Ärzte ohne Grenzen".

© Barbara Sigge / MSF

Ärzte Zeitung: "Ärzte ohne Grenzen" hat schon seit langem immer wieder darauf hingewiesen, dass es auf den Ebola-Ausbruch dringend internationale Hilfe benötigt. Wie frustriert sind Sie jetzt, dass nach den ersten Meldungen im März jetzt erst im Oktober eine politische Aktion gezeigt wird?

Dr. Tankred Stöbe: Viel Leid und Tod hätte verhindert werden können, wenn die medialen Versprechen, die seit mehr als einem Monat öffentlich geäußert werden, umgesetzt werden würden.

Es ist nichts passiert, kein Patient vor Ort ist durch Hilfe der Bundesregierung bislang geheilt worden.

Was wird vor Ort nun aus der Sicht ihrer Mitarbeiter am dringendsten benötigt?

Stöbe: Wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter und wir brauchen Krankenstationen vor Ort, damit die Versorgung der Menschen in einem Bett stattfinden kann. Außerdem muss es verstärkt Flugbrücken geben, damit Material und Personal eingeflogen werden kann.

Für die Zukunft muss schnell an Impfstoffen und Medikamenten geforscht werden, die sicher sind und vielen Menschen verfügbar gemacht werden können.

Warum ruft "Ärzte ohne Grenzen" nicht dazu auf, dass sich mehr Ärzte für den Einsatz melden?

Stöbe: Wir sind seit März und jetzt mit 3400 Mitarbeitern mit sechs eigenen Einrichtungen in den drei Ländern vor Ort. Wir arbeiten nur mit Mitarbeitern zusammen, die bereits Erfahrungen mit humanitären Krisen haben.

Derzeit können wir mit unserem Personal unsere Einrichtungen betreuen. Das Personal arbeitet unter strengsten Hygienevorschriften und immer zu zweit, zudem wird es alle vier bis fünf Wochen ausgetauscht, da die Arbeit vor Ort sehr anstrengend ist.

Falls sich doch ein Helfer infiziert - welche Rückflugoptionen bieten Sie Ihren Mitarbeitern an?

Stöbe: Die Mitarbeiter sollen so schnell wie möglich ausgeflogen werden, idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn. Wir hatten bisher zwei internationale Mitarbeiter, die sich infiziert haben und in ihren Heimatländern Norwegen und Frankreich behandelt und gesund entlassen wurden.

Wir können auch sagen, dass wir in unseren Einrichtungen bisher über 1100 Patienten gesund entlassen konnten. Das zeigt, dass man Ebola überleben kann.

Nach welchen Kriterien werden vor Ort die infizierten Helfer ausgewählt, die zur Behandlung nach Europa oder den USA ausgeflogen werden? Gibt es ein Gremium, das das entscheidet? Wer ist bei der Auswahl involviert?

Stöbe: Bei "Ärzte ohne Grenzen" gilt der Grundsatz: Jeder Mitarbeiter wird in das Herkunftsland ausgeflogen und wird dann im Heimatland versorgt. Das gilt auch für regionale Mitarbeiter. Derzeit klappt die Logistik beim Ausfliegen, aber oftmals nicht schnell genug.

Hier muss es Besserungen geben und es müsste auch auf der Ebene der EU eine Initiative geben. Als private Organisation können wir das nicht stemmen.

Wie werden die einheimischen Helfer vor Ort versorgt, wenn sie sich infizieren?

Stöbe: Ohne falsche Arroganz kann ich sagen: "Ärzte ohne Grenzen" hat weltweit die größte Ebola-Erfahrung in der Behandlung in Afrika. Wir haben bisher viele Ebola-Epidemien begleitet und Menschen versorgt. Bei uns gilt jede Infektion als Sicherheitszwischenfall, der sehr genau analysiert wird.

Wir setzen alles daran, dass nachvollzogen werden kann, wie eine Infektion passieren konnte. Darin wird viel Zeit und Mühe gelegt - denn die Gesundheit und die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat oberste Priorität in unserer Organisation.

Das Interview führte Rebecca Beerheide.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde geführt am Tag, bevor der Fall des infizierten "Ärzte ohne Grenzen"-Mitarbeiter in New York bekannt wurde.

[25.10.2014, 10:15:13]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Dr. Manfred Stapff, lesen Sie und nehmen Sie doch zur Kenntnis,
dass Ärzte ohne Grenzen schon seit März 2014 in Afrika tätig sind
und dass das Personal alle 5-6 Wochen AUSGETAUSCHT wird.
Und schämen Sie sich. zum Beitrag »
[25.10.2014, 10:11:12]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
ganz ganz großes Kompliment und Hochachtung vor diesen Menschen,
die demonstrieren, dass es noch menschliche Solidarität gibt,
die auch von anderen Egoisten noch behindert wird! zum Beitrag »
[24.10.2014, 14:56:36]
Dr. Manfred Stapff 
Protokoll für syptomfreie Rückkehrer?
Eine Frage, die sicher gestellt worden wäre, wenn dieses Interview heute geführt worden wäre:
Wie sieht das Protokoll für medizinisches Hilfspersonal aus, die in ihr Heimatland zurückkehren?
Der New Yorker Arzt hatte noch am Mittwoch, weniger als 24 Stunden vor Ausbruch der Erkrankung und bereits mit ersten Symptomen, Massenverkehrsmittel benutzt und am öffentlichen Leben teilgenommen. Sollten zurückkehrende Mitarbeiter nicht bis 21 Tage nach dem letzten potenziellen Ebola - Kontakt isoliert werden?  zum Beitrag »

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