Ärzte Zeitung online, 29.10.2014

Pflegekräfte gegen Ebola

Größte Gefahr, größte Erfahrung

Krankenschwestern und Krankenpfleger wollen im Kampf gegen Ebola stärker eingebunden und vor der Ansteckung besser geschützt werden, fordern sie auf einer Konferenz in Madrid.

Größte Gefahr, größte Erfahrung

Pflegekräfte fordern zur Betreuung von Ebola-Patienten einheitliche Sicherheits- und Ausbildungsprotokolle.

© Jan Woitas / dpa

MADRID. Trotz medizinischer Mittel und Vorsichtsmaßnahmen ist die internationale Gemeinschaft nicht auf eine Ebola-Epidemie vorbereitet. Zu diesem Urteil kam Krankenschwestern und Krankenpflegern aus mehreren Ländern auf einer Konferenz in Madrid.

"Vor allem mangelt es an einer angemessenen Ausbildung von Ärzten und Pflegern sowie einer Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft", erklärte David Benton, Geschäftsführer des Weltbundes der Krankenschwestern und Krankenpfleger (ICN), in Madrid.

Benton forderte die internationale Staatengemeinschaft und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausarbeitung verbesserter und vor allem einheitlicher Sicherheits- und Ausbildungsprotokolle auf. Hierbei sollten die Regierungen und internationalen Gesundheitsbehörden vor allem die Meinung der Krankenpfleger berücksichtigen.

Der Grund: "Bis zu 95 Prozent der Pflege und Behandlung der Ebola-Patienten wird von Krankenschwestern und Krankenpflegern ausgeführt. Wir sind am meisten der Gefahr ausgesetzt und haben die meiste Erfahrung", so Benton, dessen Verband weltweit 16 Millionen Krankenpfleger vertritt.

Schutz auch der Bevölkerung

Auf der Madrider Konferenz, an der neben Krankenpfleger-Vertreter aus den USA, Großbritannien, Spanien, Norwegen auch Pfleger aus Ebola-Regionen wie Sierra Leone, Senegal, Nigeria und Liberia teilnahmen, wurde betont, dass diese Maßnahmen nicht nur zur Bekämpfung der Seuche dienen, sondern auch zum Schutz von Ärzten, Pflegern und Bevölkerung.

Máximo González Jurado, Präsident des spanischen Krankenpflegerverbands, verwies bei der Präsentation der "Deklaration von Madrid" auf die Notwendigkeit, dass die internationale Gemeinschaft möglichst schnell handeln muss: "Die jüngsten Ebola-Fälle wie hier in Madrid sowie in den USA haben gezeigt, dass wir der Situation nicht gewachsen waren."

Paul de Raeve, Generalsekretär der Europäischen Föderation der Krankenschwestern-Verbände, kündigte an, man werde bereits im Dezember den Europäischen Ministerrat anhalten, die europäischen Gesundheitssysteme mit neuen und einheitlichen Protokollen zu versehen.

Außerdem versprach er die Gründung eines europäischen Krankenpfleger-Observatoriums für biologische und sicherheitstechnische Risiken.

Ebola-Schnelltest geprüft

Die Ebola-Forschung geht unter Hochdruck weiter. So ist in Lausanne eine erste größere Impfstoff-Studie angelaufen. Ein Marburger Virologe hat in Guinea einen Ebola-Schnelltest unter realen Bedingungen geprüft. Im besten Fall soll er ein Ergebnis innerhalb von zehn Minuten liefern.

US-Präsident Barack Obama hat amerikanische Gesundheitsbehörden davor gewarnt, durch Quarantäneauflagen Ärzte vom Kampf gegen Ebola in Westafrika abzuschrecken. "Wir wollen unser medizinisches Personal nicht entmutigen, an die Front zu gehen und zu helfen", sagte Obama.

In Italien ist Kritik an der Rückkehr mehrerer US-Soldaten aus dem Ebola-Krisenland Liberia laut geworden. Sie waren auf ihrem Stützpunkt in Vicenza in Quarantäne gekommen, ohne Ebola-Symptome zu zeigen.

"Wenn die Amerikaner eine Freundschaftsgeste machen wollen, dann packen sie ihre Sachen und kehren nach Hause zurück", sagte der Präsident der norditalienischen Region Venetien, Luca Zaia.

Der Politiker der rechtspopulistischen Lega Nord fügte hinzu: "Wir beherbergen Militärbasen, aber keine Ebola-Zentren." In Vicenza werden noch weitere rückkehrende US-Soldaten erwartet.

Auch Papst Franziskus hat weltweit aufgerufen, gegen Ebola alle Anstrengungen zu unternehmen. "Ich möchte meine tiefe Sorge über diese unerbittliche Krankheit zum Ausdruck bringen", sagte er bei seiner wöchentlichen Generalaudienz in Rom.

Das Virus treffe gerade in Afrika die ärmsten Menschen. Im Gebet sei er nahe bei den Betroffenen, den Ärzten, dem Pflegepersonal und allen Freiwilligen, die sich heldenhaft für die Kranken aufopferten. (mam/dpa)

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